Bahnen- Wuppertal.de Region im Portrait


Richtung Essen und Niederbergisches Land

1. Die betrachtete Region
Die Region im Nordwesten von Wuppertal bis zum Rhein und zur Ruhr bezeichnet man allgemein als Niederberg (im Vergleich zur weitflächigeren Region südlich von Solingen und Remscheid, die den Namen Oberberg trägt). Eisenbahnbezogen kann man den niederbergischen Raum in drei Bereiche aufteilen. Zum einen ist dies die zweigleisige Strecke von Wuppertal über Langenberg nach Essen als ein Urbestandteil des Wuppertaler Bahnnetzes. Zum anderen sind dies zwei Nebenstrecken: Die ältere Trasse ist die Verbindung vom Abzweig Aprath auf der Essener Strecke nach Wülfrath und weiter über Velbert und später Heiligenhaus an die Ruhr nach Kettwig. Die andere Linie führt von Wülfrath über Flandersbach nach Ratingen und wird aufgrund der geografischen Gegebenheiten allgemein als Angertalbahn bezeichnet. Die Linie war wegen des intensiven Güterverkehrs mit beliebten DB-Loks jahrelang ein Mekka vieler Eisenbahnfans. Darüber hinaus führt(e) durch die Region im Süden die Rheinische Strecke von Wuppertal über Mettmann nach Düsseldorf.  Diese Strecke wird hier aber nicht betrachtet, sondern ist als ehemalige Durchgangslinie des Wuppertals ein Bestandteil der Regionen-Seite “Richtung Köln/Düsseldorf”. Nach einigen einführenden Aufnahmen aus vergangenen Zeiten folgen wir bei der Beschreibung und den weiteren Bildern so in etwa einer jeweiligen Reise auf den betreffenden Linien und zwar in Reihenfolge ihrer seinerzeitigen Eröffnungen.               
 

Bf. Flandersbach
Am Ostersamstag, den 25. März 1967, gab es eine tolle Sonderfahrt, die von W-Voh-
winkel aus ins Niederbergische führte. Als Zuglok fungierte die alte Preussin der Reihe
G 10, die bei der DR und DB die Nummer 57 2559 erhielt und damals beim Bw Hagen
Gbf. stationiert war. Als stilechte Wagengarnitur gab es die zweiachsigen Bi-Wagen.
Wir sehen den fotogenen Zug im Bahnhof Flandersbach auf der Angertalstrecke.
Foto VOBA

Bf. Langenberg
Dies ist eine typische Garnitur der 80er Jahre auf der Essener Strecke und ein sinn-
volles Vorbild für Modellbahnfans: eine Lok der Reihe 212 mit drei Silberlingen im
 Wendezugeinsatz. Erfreulich ist der fotogene Zustand der Fahrzeuge. Die Werkhalle
ist ebenso typisch für viele Abschnitte in diesem Bereich, denn trotz viel “Land-
schaft” im Niederbergischen haben die Städte eine reiche Industriegeschichte vor-
zuweisen Im Bild sehen wir die “neurote” 212 317-2 vom Bw Steinbeck im Mai 1989
vor einem Zug aus Bottrop/Essen bei der Einfahrt in den Bahnhof von Langenberg.
Foto Zeno Pillmann

bei Flandersbach
Das ist so eine übliche Erscheinung im Angertal zu Ende des Dampflokbetriebes: eine
Lok der Baureihe 50 führt einen langen Kalkzug aus Richtung Wülfrath an den Rhein.
So idyllisch die Landschaft hier in der niederbergischen Region auch ist, irgendwie
dürfte der Zug auf Aussenstehende mehr wie bestellt wirken, als dass es sich hier
um den normalen, rauhen Alltagsbetrieb handeln könnte - und dazu noch an einem
 Sonntag. Vielleicht hat gerade das den Reiz der Strecke bei vielen Bahnfans aus-
gemacht, der Gegensatz (oder die Harmonie?) von Natur und Schwerlast (1974).
Foto VOBA

Bf. Wuppertal-Vohwinkel
Fernzüge auf der Essener Strecke? Mitnichten, denn das ist der legendäre Eilzug des
 “Holzmindeners”, der auf samstäglicher Tour an die Weserstadt bis zum Sommer 1965
 (in der Regel) mit einer Maschine der Reihe 03.10 fuhr. Der Zug wurde in Vohwinkel um
die Mittagszeit eingesetzt und erstaunlicherweise vom Essener Gleis aus (Mai 1965).
Foto Helmut Dahlhaus

Bf. Hofermühle
Der Bahnhof von Hofermühle liegt im Angertal. In den 80er Jahren gab es hier einen
 wahrhaften Ansturm auf die Diesellokomotiven der beliebten Baureihe V 200.1, die im
schweren Güterverkehr Richtung Ruhrgebiet “verfolgt” werden konnten. Auf Leerfahrt begegnet uns die 221 144-9 in schmucker alt-roter Farbgebung (2. Juli 1987).
Foto Wolfgang Bügel

2. Die Prinz-Wilhelm-Bahn: von Vohwinkel nach Steele
Die Essener Trasse gehört mit zu den Keimzellen des Wuppertaler Eisenbahnnetzes und wurde bereits im Jahre 1847 eingeweiht. Diese Linie geht in den nördlichen Teilen zurück auf eine “Pferdebahn”, die ja oft in dieser Form ein Vorläufer von Eisen- oder Strassenbahnen war. Infolge der Wasserscheide zwischen Ruhr und Wupper und den damit notwendigen Steigungen gab es zunächst südlich von Langenberg im Siebeneicker Tal eine Spitzkehre. Die Linie hatte immer einen bescheidenen Personenverkehr zu verzeichnen, muss aber diesbezüglich auch in Zusammenhang mit den anderen Strecken im niederbergischen Raum gesehen werden. Wichtig war die Essener Linie auf jeden Fall für die diversen Industriebetriebe in dieser Region. Auf das gesamte Siedlungsgebiet Ruhr/Wupper bezogen ist die Relation eine der selteneren Verbindungen in nord-südlicher Richtung, so dass sie in den Zugläufen immer mit den Verlängerungen ins nördliche Ruhrgebiet und südlich bis nach Remscheid zu sehen ist. Züge bspw. zwischen Bottrop und Remscheid waren jahrzehntelang Bestandteil des Zugangebotes. Bis Mitte der 60er Jahre gab es hier Dampfloks, vielfach im Wendezugbetrieb mit der Baureihe 78. Einige Kurse wurden auch von den 65ern aus Essen gefahren. Die Wendezüge waren insofern von Vorteil, weil die Strecke aus Wuppertal damals noch nach Steele Ost führte und aus Richtung Ruhrbrücke keine Verbindungskurve zum Essener Hauptbahnhof bestand. Dann kam die grosse Zeit der Dieselloks und der Baureihe V 100 mit den drei Silberlingen. Es folgten Einsätze mit den Baureihen 215, 216 und 218. Beim Streckenausbau zur Elektrifizierung gab es zeitweise Kurse mit den Triebwagen 628. Seit Dezember 2003 wird die alte Bahnstrecke nun mit elektrischer Traktion betrieben und mit der S-Bahnlinie 9 zwischen Wuppertal Hbf. und Bottrop/Haltern im Takt befahren. Nur kurz war die Nutzung der üblichen Reihe 143 mit den S-Bahnwaggons, während derzeit Triebwagenzüge 420 eingesetzt sind, die - früher in Süddeutschland eingesetzt - nun von Essen aus abgefahren werden.              
 

Bf. Wuppertal-Vohwinkel
Das ist die 65 014 vom Bw Essen Hbf. mit einem Wendezug Richtung Elberfeld. Man
 ist im April 1964 auf Hobbytour. Neben den 78ern fuhren zeitweise einige 65er die
Kurse nach Remscheid. Insgesamt eine typische Komposition aus der Dampflokzeit
der Modellbahnepoche 3 und sicher ein schönes Vorbild für die Anlage. Über der Lok
erspähen wir den alten Schuppen vom Bw Vohwinkel, der bald abgerissen wurde, wo-
durch Freistände für die neu einzusetzenden Elloks geschaffen werden konnten.
Foto Helmut Dahlhaus

Bf. Wuppertal-Vohwinkel
An sich schon S-Bahnzeit im Tal, aber nur auf der S 8 zwischen Mönchengladbach und
 Hagen. Auf der Essener Strecke gibt es noch den normalen Nahverkehr, zum Zeitpunkt
 der Aufnahme am 24. Juli 1990 mit Loks der Reihe 216. Am Bahnsteig faszinieren uns
die wirklich unverwechselbaren alten Überdachungen (Lok 216 029 mit N 5848).
Foto Wolfgang Bügel

Vorlage  Sammlung VOBA

Bf. Wuppertal-Vohwinkel
Die Tour am 25. März 1967 war eine der ersten, gezielt für die Bahnfans angebotenen Dampflok-Sonderfahrten im
 Bergischen Land, der Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre eine Reihe weiterer Ereignisse folgten. Auf den Bahn-
steigen und bei den sog. “Scheinanfahrten” unterwegs kamen die Fotofreunde voll auf ihre Kosten. Bei noch trübem
Wetter am Morgen setzt sich die 57 2559 in Bewegung. Später wurde das Wetter zum Glück besser. Am Ende der
Tour konnte übrigens am Nachmittag das Bw Vohwinkel besucht werden, wo etliche Loks in Positur gestellt waren.
Zu dieser Zeit der Dampfloksonderfahrten fuhren in erster Linie noch die “wahren” Bahnfreunde mit. Später
veränderten sich die Sonderfahrten mehr zu einem Familienereignis mit den “bedarfsweisen” Eisenbahnfahrern.
Foto VOBA

bei Wuppertal-Dornap
Unfall auf der Essener Strecke!  Am 8.3.1988 gegen 12.45 Uhr durchfuhr der N 5894
 (geschobener Wendezug W-Oberbarmen - Bottrop mit der 212 319-8) den Ortsteil W-
Dornap an der Wiedener Strasse (B 224). Dort stiess der Steuerwagen bei geschlos-
senen Schranken mit einer Sattelzugmaschine zusammen. Es gab zum Glück nur ge-
ringen Schaden, aber natürlch helle Aufregung. Anlass war eine Herzattacke des
 LKW-Fahrers. Glück im Unglück war eine schnell alarmierte Funkstreife. Sie versuchte,
 den LKW wieder flott zu bekommen, was aber nicht gelang. Zeitgleich gab es über
Funk eine Streckensperrung. Bei Schliessen der Schranken bemerkten die Beamten
aber, dass doch noch ein Zug im Anrollen war. Geistesgegenwärtig liefen beide in die
 verschiedenen Richtungen. Einer konnte dem Lokführer dann ein Zeichen geben, so
dass eine Notbremsung eingeleitet werden konnte. Es reichte zwar nicht ganz zum
Stopp, aber der Aufprall war dann doch gering. Für das schnelle Handeln der Beamten
gab es von offizieller Seite grosses Lob und als Belohnung eine Führerstandsmitfahrt
von Köln nach Koblenz und zurück!    (Informationen von Werner Birkholz)
Fotos  Sammlung  Werner Birkholz

S-Bahnhaltepunkt Wülfrath-Aprath
 Mit der Elektrifizierung und der Errichtung der S-Bahnstrecke bekam auch der Bezirk
 Aprath wieder eine zeitgemässe Haltestelle mit Aussenbahnsteigen, wie dies an zwei-
gleisigen Strecken bei neuen Stationen meist üblich ist. Der Einsatz des Triebwagens
628 war nicht die Regel und währte nur kurze Zeit während der Bauphase. Die Züge
 wurden teilweise gebrochen und fuhren im südlichen Abschnitt des öfteren nur zwi-
schen Wuppertal Hbf. oder Vohwinkel und Langenberg (628 669-4 im Herbst 2003).
Foto Michael Hartmann

bei Neviges
Dampfalltag auf der Essener Linie! Hier gab es bereits zu Dampfzeiten in der Regel
 Leistungen im Wendezugbetrieb. Da man seiner Zeit von der Ruhrbrücke aus Richtung
 Wuppertal nicht direkt nach Essen Hbf. fahren konnte, sondern in die Gegenrichtung
nach E-Steele (Ost) musste, war ein solcher Betrieb hier recht sinnvoll. Neben der Garnitur auf dem Foto gab es auch Züge aus drei so genannten Silberlingen. Als
Dampfross hat der Fotogtaf an diesem Tag die 78 134 notiert, damals, anno 1965.
Foto Helmut Dahlhaus

bei Neviges
Seit Sommer 2004 werden nun die “Olympia”-Triebwagen der Reihe 420 im S-Bahnver-
kehr eingesetzt. Sie sind in Essen stationiert und und verdienen sich in Westdeutsch-
land ihren Lebensabend. Hier eine Szene beim ehemaligen Stellwerk Neviges (2004).
Welch ein Kontrast zur 78er-Zeit, etwa 40 Jahre zuvor! Den Reisenden gönnen wir
aber guten Herzens die Fahrten mit der neuen S-Bahn, als echte Bahnfans würden
wir natürlich viele Annehmlichkeiten gegen die alte Dampfzeit eintauschen oder?
Foto Michael Hartmann

südlich Langenberg
Abwechslung vom Alltag des üblichen Nahverkehrs mit den bekannten Zuggarnituren
gab es auf der Essener Strecke in der Regel nur auf Grundlage von Sonderfahrten.
So auch am 28. September 1986. Die etwas seltsame Fuhre bestand aus der form-
schönen 221 107, der Öllok 41 241 sowie der kleinen V 36 204 samt einigen histori-
schen Güterwagen. Die schöne, nahezu einsame Landschaft - teilweise typisch für
die Region - lässt kaum darauf schliessen, wie nah man den Großstädten an sich ist.
Foto Wolfgang Bügel

bei Langenberg
Beim Ausbau der Essener Strecke zur S-Bahnlinie wurden die Gleise weitgehend er-
neuert und die Bahnhöfe entsprechend angeglichen. Ein dazu wichtiges Projekt war
die Elektrifizierung der Trasse. Oben sehen wir die Baulok 203 304 in schmucker Farb-
gebung, die bei DB-Gleisbau eingestellt ist. Unten eine Leistung durch die West-
fälischen Landesbahnen (WLE) mit der nicht minder fotogenen Lok 51. Man datiert
den 1.7.2003 und befindet sich auf einem Abschnitt in der Nähe von Langenberg.
Fotos (2)  VOBA

Bf. Langenberg
   Entlang der Essener Linie gab es immer schon viele Industriebetriebe. Zahreiche muss-
ten zwar mittlerweile schliessen und sind auch bereits abgebrochen, aber in einzelnen
 Abschnitten kann man die seinerzeitige Blütezeit der Wirtschaftsregion noch erahnen.
 Die 216 155-2 fährt am 27.8.1989 an einer Werkhalle beim Bahnhof Langenberg vorbei.
Foto Zeno Pillmann

Bf. Langenberg
Sozusagen Vollbetrieb im Bahnhof Langenberg, keine schlechte Sache für den Foto-
grafen. Wir sehen die drei 212er Nr. 253, 319 und 317 mit ihren Nahverkehrszügen
  5914, 5905 und 5894 (am 24. Mai 1989). Beim mittleren Zug - Achtung Modellbauer - kann man sehr gut die notwendige Überhöhung der Durchfahrgleise festmachen!
Foto Wolfgang Bügel

Bf. Langenberg
Die Strecke geht in Langenberg direkt durch den Ortskern. Hier sehen wir die 216
091-9 am 8. April 1989 im Einsatz. Restaurierte schieferverkleidete Häuser sind ein
 typisches Merkmal in dieser Gegend. Rechts oben ist ein Sendemast erkennbar.
Foto Zeno Pillmann

Nierenhof
Das alte Fabrikgebäude scheint so richtig zur Dampflokzeit zu passen, die Lok aller-
dings weniger zu der normalen Bespannung auf der Essener Strecke. Die Ölloks der
 Baureihe 41 sind hier nie planmässig gefahren - ausser bei sog. Plandampftagen, an
 denen die Dampfrösser vor regulären Nahverkehrszügen eingesetzt wurden. Hier die
41 360 bei einer solchen Aktion in flotter Fahrt “um das Werk herum” (26.5.1996).
Foto Helmut Dahlhaus

Bf. Nierenhof
Zwischen Langenberg und Essen-Kupferdreh beschreibt die Strecke einen langgezoge-
nen s-förmigen Verlauf. Nördlich von Langenberg liegt die Station Nierenhof, auch so
ein Relikt aus der alten Industriezeit. Das interessante Stellwerk scheint prächtig re-
noviert zu sein. Im Bild ein “Schieber” mit der 212 319 vor dem N 5918 am 29.7.1984.
Foto Wolfgang Bügel

Bf. Essen-Kupferdreh
Seit Juni 2004 fahren auf der S-Bahnlinie 9 Triebwagen der Reihe 420, die bisher im
 Wuppertaler Raum nicht zu finden waren. Sie stammen aus Beständen der süddeut-
schen S-Bahnnetze und werden wohl im Bh Essen ihr letztes Heimatdepot finden. Kurz
 nach Einführung der Tw-Kurse sind wir bei einer Szenerie typischer Verkehrsträger-
ballung bei der Einfahrt Bf. Kupferdreh im Essener Süden auf Pirsch (27. Juli 2003).
Foto VOBA

bei Essen-Holthausen
Die Neubaureihe 65 war mehrere Jahre ein gewohntes Bild auf der betrachteten Linie.
Aber nur in bestimmten Kursen, denn die Regel waren Loks der preussischen 78er.
Der Kenner weiss natürlich sofort Bescheid, dass es sich im Bild aber um einen Son-
derzug handelt, der da mit der 65 018 vorbeikommt (31. Mai 2002). Der Förderturm
im Hintergrund ist ein schöner Kontrast zur baumbestandenen Landschaft, aber das
ist heute typisch für die Ruhrregion: viel Wirtschaftsleben in den zahlreichen Städten
und viel Natur zur Erholung der unzähligen Menschen in diesem Ballungsgebiet.
Foto Helmut Dahlhaus

Ruhrbrücke bei Essen-Steele
Die alte Ruhrbrücke liegt südlich von Steele und ist sichtbar nurmehr eingleisig. Am
Pfeiler und am Widerlager erkennt man, dass das Bauwerk früher zweigleisig war. Hier
 bestand somit schon lange ein Engpass der ansonsten zweigleisigen Trasse zwischen
Wuppertal und Essen. Ein schönes Motiv gibt die altrote 216 156 ab (8. Juli 1990).
Foto Zeno Pillmann

Bf. Essen Hauptbahnhof
Die Neubaudampfloks der Reihe 65 waren bis Mitte der 60er Jahre unter anderen beim
Bw Essen Hbf. beheimatet. Vielfach eingesetzt waren sie auf der Ruhrtalstrecke nach
 Düsseldorf, schon immer eine wichtige Nahverkehrslinie im Ballungsraum. Aber auch
 Richtung Wuppertal - Remscheid gab es planmässige Kurse. Gefahren wurde sehr oft
im Wendezugbetrieb. Hier sehen wir im Essener Hbf. die 65 015, die - deutet man
die Mienen der Bahnmitarbeiter - offensichtlich ihren Zug anpeilt (12. Mai 1963).
Foto Wilfried Sieberg

3. Nebenbahn I: die Linie über Wülfrath und Velbert nach Kettwig
Die Region wurde neben der Essener Linie durch zwei Normalspurstrecken erschlossen. Einmal war das die Linie aus Richtung Wuppertal über Wülfrath, Velbert und Heiligenhaus nach Kettwig an der Ruhr. Die Verzweigung von der Essener Trasse erfolgte kurz hinter dem früheren Haltepunkt Aprath an der Blockstelle Oberdüssel. Gebaut wurde die Bahnlinie über einen Gesamtzeitraum von 40 Jahren, was schon ein besonderes Licht auf die betriebene Konsequenz der Planungen wirft. Am 1. Februar 1886 war das erste Teilstück von Aprath nach Wülfrath befahrbar, genau drei Jahre später ging es weiter nach Velbert. Der Weiterbau ab da war durch besonders viele Interessenlagen gekennzeichnet, wozu dann Jahre später auch die Ereignisse des Ersten Weltkrieges beitrugen. So konnte ein erster Güterzug schliesslich zum 1. April 1921 weiter nach Heiligenhaus fahren, bis zur Aufnahme des Gesamtverkehrs nach Kettwig brauchte es weitere Jahre bis zum 24. Juli 1926. Der Endbahnhof hiess damals Kettwig Stausee an der Linie von Düsseldorf nach Essen. Neben der Bedienung der vielen Industrieanschlüsse und der Bevölkerung gab es hier auch einigen Ausflugsverkehr. So ist es nicht verwunderlich, dass früher bspw. durchgehende Züge von W-Oberbarmen nach Kettwig und sogar welche über diesen Kurs weiter nach Essen Hbf. verkehrten.  Vielleicht ist es eine Ironie des Schicksals, dass die Linie insgesamt nur kurzen Bestand hatte und sie auch in Etappen stillgelegt wurde. Zunächst war dies der zuletzt gebaute Abschnitt von Heiligenhaus bis Kettwig zum 2. Oktober 1960 (ein Jahr später wurden die Gleise demontiert). Zugleich wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke kassiert. In den folgenden Jahren gab es dann noch Güterverkehr, vieles im Bedarfsdienst. Der Abschnitt Aprath - Wülfrath wurde nach unklaren Angaben um 1980 stillgelegt und später abgebaut. Ab 1995 wird Heiligenhaus als “Anschlussgleis” von Velbert aus bedarfsweise bedient. Im Grunde gilt der verbliebene Zweig, soweit überhaupt noch befahren,  nun als Verlängerung der Angertallinie (siehe die andere Nebenbahnlinie weiter unten).     
 

Abzweig Aprath
 Vor der Elektrifizierung an sich ganz normaler Alltag im Niederbergischen: ein Zug nach
 Essen wird von einer Diesellok (216 156-0) geschoben. Das Interesse sollte hier dem
 linken Bildrand gelten, denn dort ist der ehemalige Abzweig nach Wülfrath erkennbar.
Die Strecke verlief hier früher in einem grossen Linksbogen etwas ansteigend Richtung
 Wülfrath und Neviges. Im Rahmen der Überlegungen zu einer grossangelegten Restau-
ration des niederbergischen Bahnverkehrs ist die alte Strecke wieder in Diskussion ge-
kommen hinsichtlich der Regiobahn Mettmann - Vohwinkel (bei Aprath am 14.1.1990).
Foto Michael Hartmann

Bf. Wülfrath
Wülfrath war ein Abzweigbahnhof. Zum einen gab es als Verlängerung der Strecke aus
 Wuppertal/Aprath die Linie über Tönisheide nach Velbert und weiter über Heiligenhaus
nach Kettwig im Ruhrtal. Zum anderen betrifft dies die Strecke durch das Angertal
nach Ratingen West. Im Kursbuch vom Sommer 1939 bspw. gab es Personenzüge,
die von Oberbarmen über Vohwinkel, Wülfrath und Velbert bis nach Kettwig durchlie-
fen. Im Bild die 57 2559 vom Bw Hagen Gbf. auf der Sonderfahrt am 25.März 1967.
Foto VOBA

Bf. Wülfrath
Das Bahnhofsgebäude von Wülfrath hat mit der Schieferverkleidung so einen typisch
 bergischen Stil. An sich passt die V 200 als Schnellzuglok aber nicht so richtig in diese
 Gegend. Doch, wie bekannt, wurden etliche Maschinen zu Ende ihrer Karrieren vor den schweren Kalkzügen auf der Angertalstrecke Richtung Ruhrgebiet eingesetzt (5.7.86).
Foto Wolfgang Bügel

Tönisheide
   Wenn es trübes Regenwetter ist, da wirkt eine schwarz-weiss-Abbildung meistens bes-
ser. Am 27. 4.1985 gab es eine “Bretzelfahrt”, die von Velbert aus zur Müngstener
Brücke ging. Der gut besuchte Zug brauchte zwei Dieselmaschinen: 212 073-1 und
212 264-6. Im Bild der Bahnübergang über die Wülfratherstrasse in Tönisheide.
Foto Michael Hartmann

4. Nebenbahn II:  die Linie durchs Angertal
Eine andere Nebenbahnstrecke im Niederbergischen wurde von Wülfrath nach Ratingen gebaut. Diese Strecke im Tal des Angerbaches war immer sehr stark durch den Güterverkehr der an der Strecke liegenden Kalkwerke gekennzeichnet. Der Personenverkehr war aufgrund der dünnen Besiedlung nebenrangig. Die Linie von Ratingen West nach Wülfrath, wo ja bereits seit 1886 Gleise lagen, wurde am 28. Mai 1903 eröffnet. Auch mit für diese Strecke wurde in Ratingen West anno 1923 eine eigenständige Betriebswerkstätte errichtet, die im Zuge des grossen Bw-Sterbens nach dem Krieg bereits 1951 aufgelöst wurde. Besondere Bedeutung haben die grossen Kalksteinvorkommen für die Region, die zu einem grossen Teil für die Stahlerzeugung genutzt werden. Viele Züge fuhren demnach zu den Hochöfen in Duisburg und Oberhausen und zum Hafen nach Ruhrort. Im Zuge dieser vermehrten Transporte zur Kriegszeit wurde kurz vor Ratingen der Abzweig Anger gebaut, der eine direkte Fahrt in Richtung Ruhrgebiet erlaubte. Ansonsten war dies nur durch ein Stürzen der Züge in Ratingen möglich. Diese Kurve wird auch heute noch benutzt, während das direkte Richtungsgleis nach Ratingen West 1983 abgebaut wurde. Auf der Strecke durchs Angertal  gab es in den 70er Jahren noch etliche Dampflokleistungen zu verzeichnen (meist 50er). In den 80er Jahren begann der eigentliche Ansturm der Bahnfans, denn die wollten dort die beliebten V 200er bei ihren letzten Einsätzen bestaunen. Ab 1994 begann ein neues Kapital im Zugbetrieb, denn da übernahm die Gesellschaft Eisenbahn und Häfen von der DB AG die meisten Leistungen. Anzumerken wäre noch, dass es in Rohdenhaus einen grossen Übergabebahnhof zum Kalkwerk gibt und die Firma über ein grosses Werkbahnnetz verfügt.         

Bf. Flandersbach
Eine Szene, wie sie in den 80er Jahren für das Angertal typisch war. Der einstige Star
des Bundesbahn-Reiseverkehrs muss sich nun mit schweren Güterzügen abmühen. Wir
sind in der Station Flandersbach und bewundern die 221 127 (am 5. Juli 1986). Mit
der v-förmigen Kopfpartie und dem schmucken Rot ist die Lok von zeitloser Eleganz!
Foto Wolfgang Bügel

östlich von Hofermühle
Das relativ dünnbesiedelte Angertal besitzt etliche landschaftlich schöne Strecken-
abschnitte und macht der niederbergischen Gegend alle Ehre. Kommt dann plötzlich
noch eine 50er daher gedampft, könnte das Bahnherz wohl kaum mehr jubeln. Leider
ist die Dampfzeit schon lange vorbei, aber in der Erinnerung lebt sie eben weiter. Der Kurzzug ist ein ganz tolles Vorbild für die Modellbahner (052 497-5 im Frühjahr 1974).
Foto VOBA

bei Flandersbach
Den Wagen sieht man ihre “Leistung” unzweifelhaft an! Wir erspähen die 216 025-7
vor einem mit Kalkprodukt beladenen Güterzug von Rohdenhaus hinab durchs Anger-
tal nach Duisburg, hier westlich vom Bahnhof Flandersbach. Der Kalk wird in den
Hochhöfen zur Stahlerzeugung benötigt (Aufnahme vom 21. Juni 1978).
Foto Zeno Pillmann

Bf. Hofermühle
Mal nicht ein Kalkzug, sondern ein ganz simpler Güterzug aus Niederbordwagen. Im
 Bahnhof Hofermühle musste die 050 912-5 einen Gegenzug vorbeilassen, bevor
es weitergehen konnte. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Sommer 1974 waren es
meist Dampfloks vom Bw Duisburg-Wedau, die auf der Strecke ihren Dienst taten.
Foto VOBA

im Angertal bei Hofermühle
Zwei schöne Motive vom Einstz der Reihe 221 auf der Angertallinie. Links sehen wir die 221 129 östlich
von der Station, rechts ein “Hubschrauber-Blick” auf die 221 144 mit einem Kalkzug westlich vom Ort.
Fotos (2)  Wolfgang Bügel

bei Hofermühle
   Die Lok 216 019-0 begegnet uns am östlichen Einfahrsignal des Bahnhofs Hofermühle
(24. Juni 1975). Sie führt einen leeren Güterzug aus dem Ruhrgebiet zu den Kalk-
steinwerken nach Rohdenhaus. Obwohl die Loks vom Bw Gelsenkirchen-Bismarck
fast immer im Güterzugdienst eingesetzt wurden, zeigten sie stets einen guten
Pflegezustand (ganz anders bspw. als bei den Maschinen vom Bw Hagen-Eckesey).
Foto Zeno Pillmann

Bf. Hofermühle
Dieselloktreffen im Bahnhof Hofermühle, so halb im Wald. An den beiden Fahrzeugen
kann jeder Bahnfreund selbst entscheiden, welche Farbgebung attraktiver war.
Die 221 134-0 und 216 044-8  (am 1. Juli 1987) entstammen verschiedener Lok-
generationen, haben aber beide auf vielen deutschen Strecken Verbreitung erfahren.
Foto Wolfgang Bügel

östlich von Hofermühle
Zum Abschluss ein vielbesuchter Bahnübergang im Angertal, wo der Zug so schön aus
der Kurve her plötzlich auftauchte. Während der Fotograf gerade auf den Auflöser
drückt, hat ein anderer bekannter Bahnfan (W.B.) das Foto schon im Kasten (1974).
Foto VOBA

5. Bahnzukunft im Niederbergischen
Hinsichtlich der Strecken in dieser Region gibt es schon lange Planungen und Diskussionen. Bisher haben sie lediglich auf dem Ast der ehemaligen Rheinischen Strecke von Düsseldorf-Gerresheim bis Mettmann mit der Regiobahn zu einem positiven Ergebnis geführt. Diese Linie (Kaarst - Mettmann) verkehrt seit Herbst 1999 und erfreut sich steigenden Zuspruchs. Nicht von ungefähr kommt daher der Vorschlag einer Verlängerung der Bahn nach Osten mit einer neuen Verbindungskurve zur Essener Strecke und dann weiter zum Bahnhof Wuppertal-Vohwinkel. Hier gibt es aktuelle Überlegungen Richtung Planfeststellungverfahren, wo nun die Verbindungskurve verlaufen soll. Die Angertalstrecke sowie die ehemalige Trasse von Aprath über Neviges nach Kettwig sind seit geraumer Zeit auch wieder in der Diskussion mit einem gross angelegten Gesamtprojekt einer “Circleline” mit eventuellem Anschluss des Düsseldorfer Flughafens. Dazu müssten aber auf jeden Fall wieder einige Kilometer neue Bahnstrecken gebaut werden. So ist es zunächst eher wahrscheinlich, dass sich im Personenverkehr etwas auf den vorhandenen Gleisen durchs Angertal und nach Heiligenhaus tun wird (mit der Idee einer “Niederbergbahn”). Wir sind gespannt auf mögliche Entwicklungen (siehe hierzu auch zeitweise  unsere
Aktuelles-Seiten, wo immer wieder über diese Projekte berichtet wird).
 

Bahnzukunft im Niederbergischen?
So könnte die Eisenbahn auf den niederbergischen Strecken in Zukunft vielleicht aussehen. Hier der Triebwagen
Nr. 1007 der Regiobahn, die heute bereits als zeitgemässe Nahverkehrsbahn auf der Strecke zwischen Kaarst und
 Mettmann verkehrt. Ein Weiterbau von Mettmann nach W-Vohwinkel ist wohl der erste Schritt im Zukunftsprojekt
 und mit verhältnismässig bescheidenen Aufwendungen machbar. Foto im Sommer 2003 in Mettmann-Stadtwald.
Foto VOBA

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