Bahnen- Wuppertal.de Bahnhöfe im Portrait

Wuppertal-Heubruch

Ein “hauptmäßiger” Bahnhof in Barmen: Der Bahnhof Heubruch lag am Standort Km 32,38 an der REG-Linie von Düsseldorf nach Hagen und weiter nach Dortmund (Kilometrierung von D-Derendorf). Er war auf der Rheinischen Strecke der zentral gelegene Halt auf Barmer Stadtgebiet und wurde entsprechend als Mittel-Barmen (Schreibweise auch in einem Wort) bezeichnet. Einem Vergleich zur Barmer Zentralstation  an der BME-Linie (später - wohl ab 1910 - Hauptbahnhof) konnte man aber keinesfalls standhalten, sowohl hinsichtlich des dortigen alten und neuen Empfangsgebäudes als auch der Zugfrequentierung. Allerdings war in den Planungen zunächst auch vorgesehen, am Bahnhof Heubruch ein repräsentatives Empfangsgebäude zu errichten. Im Bezirk gab es etliche Firmen, die einen erhöhten Güterverkehr bedeuteten resp. es siedelten sich hier mit dem Bahnbau neue Gewerbetriebe an. Hochinteressant war dabei die Bedienung des am nördlichen Hang höher gelegenen Gebäudes der Konsumgenossenschaft “Vorwärts” in der Münzstraße, in deren Keller ein Gleisanschluss verlegt wurde. Innerhalb des Raumes wurden Wagen über eine Drehscheibe verschoben. Beim schweren Bombenabgriff auf Barmen im Mai 1943 wurde der Bahnhofsbereich in Mitleidenschaft gezogen und das in bergischer Fachwerk- bzw. Schieferbauweise errichtete Emfangsgebäude teilzerstört und später abgerissen. Nach dem Krieg war dann hier immer ein Provisorium vorhanden und wenig einladend.
           

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Ein schönes Bahnmotiv von der nordöstlichen Einfahrt an den Bahnsteig, wo man im Hintergrund den großen Güter-
schuppen erkennen kann. Der Bf. Heubruch hatte früher ein beachtliches Frachtaufkommen, speziell für die vielen
Firmen in der Gegend. Da in alten Zeiten neben den Schüttgütern ein beachtlicher Teil als mehr oder minder gro-
ßes (Einzel-)Stückgut versendet wurde, waren die meisen Schuppen von den Ausmaßen her reichlich bemessen.
Der 815 770 und der Tw-515 in prächtigem DB-Altrot haben bald den Endpunkt Wichlinghausen erreicht (Mai 1980).
Foto Klaus Hoffmann

(c) Hans-Günter Bunse   www.bahnen-wuppertal.de

Ein schöner Blick auf den Bahnhof Wt-Heubruch von der Fußgängerbrücke an der Goldammerstraße. Der gesamte
 Bahnhofsbereich von Heubruch lag in einer langgeschwungenen S-Kurve. Deswegen auch mit die hohen Signalmasten,
die ein frühes Erkennen der Signalstellung gewährleisten sollten. Allerdings war die Masthöhe an dieser Stelle auch
durch den früher unmittelbar dahinter liegenden Fußgängesteg notwendig. Vor dem Stellwerk Mf kann man noch den
 Abgang des alten Überweges sehen, der später abgebrochen wurde. Beide Stellwerke trugen früher die alte Bezeich-
nung “M” für Mittel-Barmen, später dann ein “H” für Heubruch. Eine ungewöhnliche Fuhre schleppt die 261 836 am
26. Mai 1973 durch die Station. Denn hinter der Diesellok befindet sich die Ellok “dicke Berta” (Nr. 609) der Wupper-
taler Stadtwerke. Diese bullige Lok war auf der Güterstrecke der WSW nach Hatzfeld bis Ende 1979 eingesetzt und
 wurde anschließend zur Firma Stern & Hafferl nach Österreich verkauft. Hier kommt sie von der Firma Reuschling aus
 Hattingen, wo sie restauriert wurde. Von der Station Wt-Loh wurde sie zum Bahnhof am Schlachthof geschoben.
Foto Hans-Günter Bunse

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Die in den letzten Jahren ihrer Stationierung vom Bw Steinbeck aus eingesetzten 798er fuhren zeitweise als Solofahr-
zeuge auf der Rheinischen Strecke, dann aber nur im Abschnitt zwischen Wichlinghausen und Vohwinkel. Hier sehen
wir einen der letzten Mohikaner bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof. In dieser Perspektive ist gut die Anordnung von
 Gleisführung, Stellwerk und Steg zu erkennen. Das Stellwerk Mi wurde beim Bombenangriff auch in Mitleidenschaft ge-
zogen. Das obere Stockwerk wurde nach dem Krieg neu aufgebaut und mit einem flachen Dach versehen. Zuvor war
 dies ähnlich wie beim östlichen Stellwerk Mo ausgeprägt. Links ein Star-Fahrzeug der 1970er Jahre, ein Ford Capri, in
 der Verwendung sozusagen die Konkurrenz vom Opel Manta, auf jeden Fall ein Hingucker für die Mädels (April 1980)!?
Für die Modellbauer beachtenswert ist der leicht schräge Bahnsteig mit der Steineinfassung und den Auffüllungen.
Foto Klaus Hoffmann

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Schnee im Tal, das hat es in den letzten Jahrzehnten tendenziell immer weniger gegeben. Im Januar 1985 konnte aber
 solch ein schönes Motiv im Bahnhof Heubruch eingefangen werden. Der 515 634 macht sich auf zu seiner Fahrt über
die Rheinische Strecke nach Wt-Vohwinkel. Die Frontlampen sind eingeschaltet, nicht nur wegen der etwas diffusen
 Witterung, sondern auch für die bevorstehenden Tunnelpassagen, immerhin deren fünf an der Zahl. Der Kilometerstein
 gibt Auskunft über die alte Messung vom REG-Bahnhof in Düsseldorf-Derendorf her. Dahinter spitzt soeben das Fahr-
dienstleiter-Stellwerk Hf hervor. An den Widerlagern des Fußgängerstegs ist ersichtlich, dass der Überweg vor dem
Krieg als Straßenbrücke breiter ausgeprägt war. Deshalb hier die auch bei anderen Aufnahmen sichtbaren “Rampen”.
Foto Klaus Hoffmann

(c) Sammlung J.Bügel   www.bahnen-wuppertal.de

Wochenendhaus mit gepflegtem Vorgarten - so könnte man das Ensemble vielleicht nennen. Deshalb ist es auch nicht
 verwunderlich, dass man an der Bahnhofskate mit großen Lettern darauf hinweist, wo man sich überhaupt befindet.
 Aber die Zeiten sind 1951 alles andere als ein Zuckerschlecken und an ein Häuschen mit Garten dachten zu jener Zeit
 wohl nur wenige unserer Mitbürger. Der Bahnhof Heubruch wurde beim Bombenangriff im Mai 1943 nicht verschont mit
 der Folge, dass das Empfangsgebäude schwer getroffen und letztlich abgerissen wurde. Auch vom großen Vordach ist
 natürlich nichts mehr zu sehen. Als Ersatz musste eine Holzhütte herhalten, zwar schön stabil, aber nicht das Wahre.
Links ist übrigens zu sehen, dass der alte Fußgängersteg zumindest noch ein paar Jahre nach dem Krieg existiert hat.
Auch ist ersichtlich, wie notwendig wegen der Erkennbarkeit die hohen Signalmasten in diesem Bereich sein mussten.
Foto H. Säuberlich/BD Wuppertal Sammlung Joachim Bügel

(c) Sammlung Jürgen Lenzen

Anfang der 1950er Jahre wurden etliche Stationen vom Direktionsfotografen dokumentiert, speziell natürlich jene, die
 vom Ausssehen her jetzt verändert waren. Das “Empfangsgebäude” am Bahnsteig in Form einer größeren Hundehütte
 ist nur ein ganz schlimmer Abglanz der alten Bahnhofsherrlichkeiten aus den Ursprungszeiten. Sicherlich der Funktion
 entsprechend, aber mehr auch nicht. Warum man zur Abbildung ein Weitwinkelobjektiv nahm, bleibt unklar, denn ein
 paar Schritte zurück hätten es auch getan. Vielleicht sollte der Bau für die DB-Oberen etwas “dynamischer” wirken?
Foto H. Säuberlich/BD Wuppertal Sammlung Jürgen Lenzen

Nachkriegszeit und Abgesang: Bis in die 1960er Jahre hinein gab es auf der Rheinischen Linie noch eine Menge von Güterzügen im Durchgangsverkehr (östliches Ruhrgebiet - Rhein, speziell auch Hagen-Vorhalle - Wt-Vohwinkel), die dann immer weniger wurden. Personenzugmäßig fuhren nach der Dampflokzeit ab Juni 1967 nurmehr ETA-Gespanne und vereinzelt Schienenbusse, dies bis 1985 tagsüber bei einem fast stündlich vertakteten Angebot. Ab da bis zur Einstellung am 27. September 1991 gab es die berüchtigten Alibi-Zugpaare (je eines Wichlinghausen- Düsseldorf und Wichlinghausen - Vohwinkel). Ein Anschluss zu einer Mineralölfirma wurde noch einige Jahre weiter bedient. Das Gleis nach Wichlinghausen wurd 1995 abgebaut, im Bahnhofsbereich selbst und Richtung Loh liegen noch einige Gleise (Stand Sommer 2009). Zur ehemals geplanten Elektrifizierung der Rheinischen Strecke - und damit auch als Basis für die ziemlich wahrscheinliche Weiterexistenz des Bahnhofs Heubruch - siehe die Bemerkungen beim Bahnhof Wt-Mirke. Im und um den Bahnhof herum sind noch vielen Spuren der Vergangenheit zu finden (siehe unten). Infolge des nahen Gebäudes der ehemaligen Konsumgenossenschaft “Vorwärts” als ein wichtiges Dokument der sozio-ökonomischen Geschichte des Wuppertals  könnte der Bahnhof Heubruch vor dem Hintergrund der geplanten Industriekulturroute (entlang des Radwanderweges auf der REG-Trasse ) ein wichtiger Ankerpunkt werden.
 

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Am frühen Morgen zum Bahnhof tigern, das kann auch nur den eingefleischten Fans passieren. Andere Hobbies sind
da zeitlich weniger anspruchsvoll. Noch gibt es daher lange Schatten und die Farbnuancen verzerren etwas die Rea-
lität. Aber das ETA-Gespann wurde für uns im schönem Seitenlicht eingefangen und so sind die Drehgestellen sehr
gut ausgeleuchetet. Das Ausfahrtsignal zeigt Hp 1 (= freie Fahrt ohne Geschwindigkeitsbeschränkung wegen eines
 abzweigenden Gleises) und der Zug kann sich Richtung Düsseldorf in Bewegung setzen (Foto vom Frühjahr 1980).
Foto Klaus Hoffmann

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Züge mit der V 100 waren an sich nicht planmäßig auf der REG-Linie anzutreffen. Fast ein Vierteljahrhundert waren
die Akku-Triebzüge und roten Brummer allgegenwärtig, die kurzen Personenzüge vorher wurden noch von Dampfloks
 gefahren (BR 78.0 und 50). Also ein Sondereinsatz, und zwar vom Bürgerverein Nächstebreck aus gechartert, und
das im Mai 1985. Die 212 098 fährt aber nicht auf dem falschen Gleis, sondern ist am Zugende anzutreffen, während
 sich an der Spitze die 215 031 befindet. Links steht das Stellwerk Ho, früher als Mo (Mittel-Barmen Ost) bezeichnet.
Foto Klaus Hoffmann

(c) Sammlung VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Etliche Jahrzehnte alt und etwas angekratzt, so präsentiert sich dieses Bild, das auf den Winter 1940 datiert ist. Es
ist ein Blick auf den Bf. Heubruch vor dessen Zerstörung beim großen Barmer Angriff im Mai 1943. Wie rechts im An-
schnitt zu sehen ist, gab es ein recht hohes Bahnhofsgebäude und eine sehr breite Bahnsteigüberdachung. In Verlän-
gerung des schmalen Bahnsteigs erkennen wir das Stellwerk Mo, wo es bald auf das Viadukt der Westkotter Straße
 geht. Dazwischen erspähen wir einen etwas kleineren Güterschuppen. Ganz links am Hang führt das Gleis mit engem
 Abzweig in den Keller zur Konsumgenossenschaft “Vorwärts”, hinten liegen der große Güterschuppen und Freilade-
gleise. Eine trügerische Stille vermittelt das Bild, doch ein Blick auf die politische Lage besagt: es herrscht Krieg!
Foto Sammlung VOBA

(c) Helmut Brinker   www.bahnen-wuppertal.de

Bei dieser Aufnahme mit demTeleobjektiv ist sehr gut die Trassenlage der Station Heubruch in einem s-förmigen Ver-
lauf zu erkennen. Der im Hintergrund tiefer befindliche Straßenzug (in Sichtachse über der 260 566) liegt an der West-
kotter Straße, deren Fahrbahn die Strecke Richtung Wt-Wichlinghausen mit einem Viadukt überquert. Rechts vorne
befindet sich an der Westausfahrt das Stellwerk Hf. Die ETA Einheit (Tw 515 und Steuerwagen 815) ist gemäß der
 Epocheneinteilung 3/4 farblich gemischt, was nicht die wahre Pracht ist. Von einem Empfangsgebäude ist nichts zu
 sehen, hier mussten sich die Fahrgäste nach den Kriegszerstörungen mit einem Behelfsbau begnügen (Foto ca. 1985).
Übrigens: Sensationelles ist auf dem Foto zu sehen, denn am Horizont landet gerade in Nächstebreck ein Ufo!!
Foto Helmut Brinker

(c) Jürgen Lenzen   www.bahnen-wuppertal.de

Ein drittes Bild vom Fußgängersteg, diesmal aus der Nachära der Rheinischen Strecke im neuen Jahrtausend. Wie bei
 vielen Eisenbahnbrachen, mit denen man nichts Richtiges anfangen kann, gammelt alles vor sich hin und die Vegeta-
tion, meist in Form der schnell wachsenden Birken, gewinnt die Oberhand. Den östlich gelegenen Güterschuppen gibt
es noch und im Hintergrund grüßt uns das privat genutzte Stellwerk Ho. Das westliche Widerlager der alten Fußgän-
gerbrücke (wurde nach Kriegseinwirkungen später abgerissen) erinnert an unselige Zeiten. Über diesen Steg war quasi
 eine Direttissima von der Innenstadt durch die steile Heubruchgasse ins “Vogelviertel” (wegen der Straßennamen) ge-
geben. Die Brücke, auf der wir stehen, war vor dem Krieg als Straße angelegt. Eine kleine Zwischenepisode zeigt un-
ser Bild, denn für eine gewisse Zeit waren im Bahnhofsbereich etliche Brücken des abgebauten Schwebebahngerüstes
 gelagert. Als die Stahlpreise sehr hoch waren, gingen sie leider in die Schrottpresse. Im Hintergrund oben liegt mit der
 Breitseite die Schule an der Kreuzstraße, die auf vielen Stadtbildern gen Norden als gute Orientierung gelten kann.
Foto Jürgen Lenzen

In die Unterwelt: der Gleisanschluss zur Konsumgenossenschaft “Vorwärts”

An der Münzstraße auf dem Sedansberg übernahm die 1899 gegründete Konsumgenossenschaft “Vorwärts” aus Barmen 1904 ein großes Gebäude zum Zwecke der gemeinwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung. In der Folge wurden verschiedene Einzelgebäude zu einem großen Komplex von Lager-, Produktions- und Wohnhäusern zusammengefasst. Anno 1924 fusionierten die Barmer mit der Elberfelder Genossenschaft “Befreiung” und der Velberter “Hoffnung” zur Großgenossenschaft “Vorwärts-Befreiung” mit 48.000 Mitgliedern. Bis 1931 wurde auf Clausen ein neuer riesiger Gebäudekomplex für alle Aufgaben erstellt (siehe zum dortigen Bahnanschluss die Bf.-Loh-Seite), wobei im Tausch die alten Gebäude und Flächen am Sedansberg in städtischen Besitz übergingen. In den folgenden Jahren ga es hier SA-Einrichtungen und sie dienten auch als Wehrmachtskaserne. Die Anlagen gibt es heute weitgehend noch, von der Stadt teilweise kulturell genutzt. Ein Verein bemüht sich um die Erhaltung der Gebäude und um die historische Aufarbeitung dieses hochinteressanten Teils der Stadtgeschichte.  Wie damals nicht anders denkbar, musste natürlich ein Gleisanschluss herhalten, dieser war auf jeden Fall bis 1906 eingerichet, wahrscheinlich schon eher für den Bedarf des Voreigentümers. Da die Gebäude am Hang höher als der zuständige Bahnhof Heubruch standen, ergab sich hier die Notwendigkeit, die vom Bahnhof in einem etwa 60 Grad-Bogen abgehende Zufahrt in den Keller des Gebäudekomplexes zu verlegen. Das Gleis verlief mit Verlademöglichekiten unter dem südlichen Gebäude her, etwa unter dem Hof war eine Wagondrehscheibe, wovon ein weiteres Gleis etwa im 120 Grad-Winkel unter das nördliche Gebäude führte. Mehrere Aufzüge halfen bei der Beförderung der Güter in die anderen Stockwerke der Häuser. Bewegt wurden die Wagen wohl mit Seilwinden und viel Muskelkraft. Über den zeitlichen Bestand des Anschlusses gibt es bisher keine genauen Angaben, wahrscheinlich wurde er nach dem Krieg bis 1953 vom Lebensmittelgroßhandel “Koma” genutzt. Zusammen mit dem Bahnhof Wichlinghausen gab es im Barmer Osten also zwei Bahnsituationen, die auf so kurzem Abstand wohl einmalig in unseren Landen sein dürften:  zum einen hier den Anschluss in den Keller eines Genossenschaftsbäudes und zum anderen dort den Anschluss zur Firma Luhns in den vierten Stock einer Fabrikhalle. Modellbahner, was wollt Ihr mehr: eine klasse Vorbildkonstellation!
Für weitere interessante Informationen verweisen wir auf die WebSite des Vereins: 
www.vorwaerts-muenzstrasse.de .
 

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Wir haben uns auf das Portal vom Fatloh-Tunnel
 geschlichen, wo sich der Blick öffnet auf den öst-
liche Bahnhofsbereich von Heubruch. Wir erkennen
 in Bildmitte den großen Güterschuppen (mit einem
 neuen Gebäude links dahinter) und davor lugt das
 östliche Stellwerk Ho (früher als Mo bezeichnet)
 hervor. Hinter dem Bf. zieht sich der Hang zum
 Sedansberg hinauf - wie in sehr vielen Gebieten
der Rheinischen Trasse eng bebaut. Ins Auge fällt
 das südliche alte Gebäude der Konsumgenossen-
schaft “Vorwärts” (Barmen), das zur Münzstraße
 gehört. Etwas dahinter ist ein weiterer Genos-
senschaftbau sichtbar, wobei beide mit einem
Brückenbau über den Hof miteinander verbun-
den sind. Im Oktober 1906 wurde der Betrieb der
 Genossenschaft aufgenommen. In jenen Zeiten
 wurden in vielen Städten ähnliche Einrichtungen
 gebaut, die besonders der Versorgung der enorm
 wachsenden Bevölkerung in den Industriestädten
 dienen sollten. Vom Bahnhof aus war ein Gleisan-
schluss in den Keller des Gebäudes verlegt. Ein
Teilkomplex soll jetzt kulturell von der Stadt ge-
nutzt werden. Der ETA 515 befährt nun das Via-
dukt über die Westkotter Straße. Die Gleisent-
wicklung mit der sog. Weichenverbindung auf der
Brücke ist ganz typisch für Bahnhofseinfahrten.
Foto Klaus Hoffmann

(c) Eismann   www.bahnen-wuppertal.de

Da ist er nun, quasi der Eingang zur Unterwelt, genauer gesagt, zu den Kellerräumen der ex-Konsumgenossenschaft
Vorwärts. Direkt darüber verläuft die Münzstraße. Wann der Anschluss genau geschlossen wurde, liegt bisher im Dun-
keln. Das Tor stammt nicht aus den Ursprungszeiten. Im Gebäudekomplex Münzstraße gibt es teils noch die unter-
irdische Welt. Vor einiger Zeit geriet das Areal mit dem ehemaligen Anschluss übrigens in den Fokus der bundesrepu-
blikanischen Medien. Ein Forscher vertrat die abenteuerliche These, in den Gewölben könne das im Zweiten Weltkrieg
 verschollene Bernsteinzimmer aus Königsberg gelagert sein. Seine Theorie bezog er aus der Tatsache, dass hier im
Krieg eine Kaserne war, der Anschluss eine ideale Zufahrt beinhaltet und der damalige ostpreußische Gauleiter Erich
 Koch aus dem Wuppertal stammt. Einige Borhrungen führten - wie so oft bei der Suche - zu keinen Ergebnissen.
Foto Eismann

Über den Tellerrand: ein interessanter Web-Tipp für die verborgenen Welten im Tal
www.wuppertal-untertage.de

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Die Station Heubruch hieß bei Eröffnung der REG-Linie Mittel-Barmen in Korrespondenz zu den beiden anderen Bahn-
höfen von Unter-Barmen (Loh) und Ober-Barmen (Wichlinghausen) auf dem Gebiet der Stadt. Bis Mitte der 1970er
Jahre gab es noch ein paar Dampflokleistungen auf der Nordbahn, aber keinen planmäßigen Einsatz vor P-Zügen. Am
 18.3.1972 war eine Sonderfahrt mit der 050 913 angesagt, die zunächst von Elberfeld nach Cronenberg hinauf führte
 (mit Unterstützung durch die 094 207). Danach ging es mit der Fuhre durchs Tal nach Oberbarmen, dann nach Wich-
linghausen zum Wenden und über die Rheinische Strecke. In Heubruch gab es links und rechts der Gleise Anschlüsse.
Foto VOBA

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Viele Bahnfans haben sich mit der Farbgebung der sog. Epoche 4 (ozenblau/beige) nicht anfreunden können. Sowohl
bei den Farben selbst als auch beim Design der verschiedenen Maschinen attestierte man den Leuten der Bundesbahn
 wenig Gespür, speziell im Vergleich zum klaren und frischen Rot, Blau oder Grün der Epochen zuvor. Das Problem war
 vielfach die starke Schmutzanfälligkeit der Farbkomposition, denn die Fahrzeuge sahen oft wirklich schrecklich aus.
Hier aber mal ein Gegenbeweis, denn die 260 593-9 macht einen ziemlich properen Eindruck vor den dunkelbraunen
 Güterwaggons. Vielleicht war sie vor Kurzem im Aw oder die Steinbecker haben im Betriebswerk kräftig geschruppt.
Foto Klaus Hoffmann

(c) Sammlung Jürgen Lenzen

Es ist Sonntag und Familie Müller hat sich in Schale geworfen. Als Bahnfan könnte man jetzt hoffen, dass es vielleicht
 den steilen Berg hinunter in die Stadt geht und dann vom Clef mit der Bergbahn hinauf auf die Barmer Südhöhen. Die
 älteren Semester unter uns könnten sich einen solchen Ausflug ins Bergische schon gut vorstellen .... Herr Müller war
 zum Zeitpunkt der Aufnahme anno 1940 Stationsvorsteher im Bahnhof Heubruch und bewohnte einige Diensträume im
 stattlichen Empfangsgebäude. Die große Türe, das ist der Eingang zu seinem Heim. Auf dem Schild neben der Türe ist
 soeben ein Hinweis auf die “Privatwohnung” zu lesen. Darüber gibt es aber auch ein Schild “Zum Schutzraum”, was an
 gar nicht so gute Zeiten erinnert. Interessant für den Bahnhistoriker ist ein Blick auf das Fachwerk als “Beweis” des
 Baustils, speziell sollte man auch beachten, wie akkurat die harten Ziegelsteine und Fugen in den Gefachen ausge-
prägt sind. Oben spitzt soeben das breite Dach am Bahnsteig hervor, im Hintergrund steht ein G 10-Bauzugwagen.
Foto Familie Müller Sammlung Jürgen Lenzen

(c) Klaus Hoffmann   www.bahnen-wuppertal.de

Nach Aufgabe des Betriebes auf der Rheinischen Strecke baute man um 1995 auf der Länge das zweite Gleis durch-
weg ab, zwischen Heubruch und Wichlinghausen gar die gesamten Schienen. An einigen Stellen wurde das vorhan-
dene Gleis dann noch mehr mittig verschwenkt, u.a. auf dem Steinweg-Viadukt im Hintergrund. Man kann diese Gleis-
veränderung vom ex-Haltepunkt Rott an der Rödiger Straße gut erkennen (Stand Sommer 2009). Warum man noch die
 Investitionskosten für einige Verschwenkungen auf sich nahm, bleibt im Dunkeln. Wie oft bei Gleisbauarbeiten wurde
 dazu ein sog. Zweiwegebagger eingesetzt, also fahrbar sowohl auf Schienen als auch im klassischen Gelände. Hier
 sehen wir das interessante Gefährt bei den Arbeiten im westlichen Bereich. Einige alte Schwellen liegen an der Mauer.
Foto Klaus Hoffmann

Gleisplanskizze  Bahnhof Wuppertal-Heubruch
(Zustand ca. 1970, Modellbahnepoche 3/4)
Wir danken für die Erlaubnis zur Veröffentlichung und empfehlen die WebSite mit vielen Plänen: www.gleisplan.net
 

(c)  Jürgen Lenzen   www.bahnen-wuppertal.de

Mangels eines kompakten Fotos vom Empfangsgebäude in Heubruch mal als Ausnahme eine Modellvorlage. Es handelt
sich um ein Haus vom Team Jürgen Lenzen, die das Ensemble für die Anlage “Rheinische Strecke rund um den Bahn-
hof Heubruch” im Maßstab 1:87 akribisch nachbaute - soweit man auf brauchbare Unterlagen zurückgreifen konnte.
 Sehr gut ist der Stil in bergischer Heimatbauweise erkennbar und auch die große Ähnlichkeit zum Bahnhof Ottenbruch.
 Auf unserer
Modellbau-Seite finden Sie ein paar weitere Bilder von diesem Bf. Heubruch. Das Bahnhofsgelände ist an
sich fertig. Derzeit sind die beiden Brücken östlich (Westkotter Straße) und westlich (Kuhler Viadukt über den Stein-
weg(!)) in Bearbeitung. Epochemäßig sind die 1940er Jahre vor den Kriegszerstörungen als Anhaltspunkt genommen,
  durch gezielten Austausch einiger Teile kann aber auch der Nachkriegszustand der 1950er Jahre dargestellt werden.
Foto VOBA/Jürgen Lenzen

Spurensuche: In den letzten Jahren zeigt sich in vielen Städten und Gemeinden ein erhöhtes Interesse an der geschichtlichen Entwicklung der heimatlichen Region und damit auch meist am Bahnwesen. Es sind vielfach ältere Leute, die ihren Erinnerungen nachgehen und nach vielen Details suchen, aber auch etliche Jüngere, die den Betrieb oder eine Betriebsform auf bestimmten Strecken eben nicht mehr erlebt haben und daher Züge, Loks oder Bahnhöfe nur aus Erzählungen und Publikationen kennen. Die Rheinische Strecke hat gerade in den letzten Jahren vor dem Hintergrund des geplanten Radwanderweges einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht, den sie in der Betriebszeit so überhaupt nicht hatte. Dass sich das Interesse meist weniger auf die Eisenbahn direkt bezieht, ist dabei nicht so entscheidend. Wichtiger ist das doch gestiegene Bewusstsein bei einem großen Bevölkerungkreis für die historische Dimension der Trasse. Ein geschichtliche Dimension ohne die sich die noch vorhandenen Dinge gar nicht erklären lassen und - ganz wichtig - welch enorme Bedeutung der Bau der REG-Linie gerade für die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung der Wuppertaler Nordbezirke gehabt hat. Gerne werden daher die Streckenwanderungen angenommen, die heute bereits sporadisch angeboten werden und auf denen man - u.a. neben den großen Viadukten oder den Denkmal-Bahnhofsgebäuden von Ottenbruch und Mirke - an vielen Ecken der ehemaligen Linie mehr oder minder große Spuren der Vergangenheit entdecken kann. Wer hierfür empfänglich ist, findet speziell im ehemaligen Bahnhof von Heubruch viele sichtbaren Hinweise, denn ein Großteil der Gebäude bspw. ist noch vorhanden. Durch Wildwuchs und infolge privater Nutzung ist ein ungehinderter Blick bzw. ein direkter Zugang zu den Objekten leider nicht immer möglich (Bilder Stand Sommer 2009).
 

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Im westlichen Bereich gibt es noch das Stellwerk Mi/später Hf.
 Bei den Aufnahmen vom Fußgängersteg aus auf den Personen-
bahnhof sieht das Haus meist recht klein aus, was es aber tat-
sächlich gar nicht ist. In der Form recht nüchtern, erinnert es im
 Baustil an zahlreiche Bahnhochbauten im nördlichen Deutschland.
Foto VOBA

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Im nordöstlichen Bereich des Bahnhofs lagen an der Münzstraße
 die notwendigen Freiladeflächen. Dort gab es auch eine großen
 Güterschuppen, dessen Hauptraum in traditioneller Fachwerkbau-
weise erstellt wurde. Eine Spedition konnte das Areal noch lange
 nutzen. Südlich der Gleise gab es einen anderen Güterschuppen.
Foto VOBA

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Der alte Fußgängerüberweg von der Goldammerstraße her wurde
 beim Bombenkrieg in Mitleidenschaft gezogen, hier das noch vor-
handene Widerlager. Der Pfeiler mit dem Abgang gegenüber am
 Stellwerk Mi existierte noch bis Ende der 1970er Jahre. Die “be-
trübliche” Lampe hat wohl vor den neuen Zeiten kapituliert.
Foto VOBA

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Am Ende des geräumigen Güterschuppens wurde dieser Verwal-
tungstrakt angebaut. Aber in einem anderen Baustill mit Ziegel-
steinen. Sehr interessant ist die verwinkelte Stirnfront mit den
 Dachteilen, was eine absolute Herausforderung für jeden Modell-
bauer ist! Das Gesamthaus scheint noch gut erhalten zu sein.
Foto VOBA

Infoecke:  Bahnhof Mittel-Barmen/Wuppertal-Heubruch im Überblick

1. Bau und Lage:  Der Bahnhof Heubruch lag am Standort Km 32,38 an der REG-Linie von Düsseldorf nach Hagen und weiter nach Dortmund (Kilometrierung von D-Derendorf). Er wurde in einer ersten Version mit Bau der Rheinischen Strecke als mehr zentral gelegener Bahnhof in der Stadt Barmen anno 1879 in Betrieb genommen und sollte eine gewisse Konkurrenzsituation zum Bahnhof Barmen an der BME-Tallinie bewirken. Sogar ein repräsentatives Gebäude für den “Barmer Hauptbahnhof” wurde vom Architekten vorgeschlagen (Unter-, Mittel- und Ober-Barmen galten wegen der höheren Lage im Wuppertal bei relativ bescheidener Bebauung des Umfeldes in der REG-Vorbereitungsphase als “Erholungsstationen”!). Die Gleisanlagen wurden in einer lang geschwungenen S-förmigen Kurve am Hang des Sedansberges erstellt. Für den Güterbereich gab es etliche Anschlussgleise und Lagerflächen. Ein Unikum war der unterirdische Anschluss zur Kosumgenossenschaft “Vorwärts”. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer getroffen und das Empfangsgebäude muste letztlich abgetragen werden. Einen richtigen Neubau gab es nicht.  Derzeit liegen im Bahnhof Heubruch Richtung Vohwinkel noch Gleise, die aber nach Baubeginn des Radwanderweges wohl schnell abgetragen werden. Zum östliche liegenden Fatloh-Tunnel hin und weiter nach Wichlinghausen wurden die Gleise 1995 abmontiert.

2. Betriebliches: Wirklich “bedeutenden” Personenverkehr wie auf der BME-Tallinie hat es hier weniger gegeben. Personenzugmäßig war man bis auf die Anfangszeiten lediglich in den regionalen Nahverkehr zwischen Hattingen, Hagen, Wt-Vohwinkel und Düsseldorf eingebunden, der allerdings bei einigen Zügen und in der wenig automobilen Zeit voll in Anspruch genommen wurde (speziell im Berufsverkehr). Seit 1953 wurde die REG-Linie verstärkt von Schienenbussen der Reihe VT 95 befahren, später kamen die Akku-Tw ETA 150 dazu, und der letzte planmäßige Dampfzug wird für den Mai 1967 gemeldet. Seit etlichen Jahrzehnten wurde bis 1985 tagsüber fast stündlich ein vertakteter Verkehr angeboten. Im Güterbereich war man mehr frequentiert und fungierte zum einen als Durchgangsstation zwischen östlichem Ruhrgebiet und der Rheingegend bzw. dem Rbf. in Vohwinkel (teilweise als Umleiterzüge von der Tallinie). Zum anderen gab es vor Ort mit den vielen Firmen der Barmer Nordstadt einen regen Güterumschlag inklusive des urigen Kelleranschlusses nach “Vorwärts” vor dem Krieg und wohl zum im Hause ansässigen Lebensmittelgroßhändler “Koma” bis 1953(?). Der letzte Planzug für die Fahrgäste fuhr am 27.9.1991, ein Jahr später wurde der Güter-Durchgangsverkehr offiiziell eingestellt.

3. Bezeichnungen: Der erste Fahrplan vom 15.9.1879 bezeichnet den Bahnhof als “Mittel-Barmen”. Im Jahre 1888 kann man im Fahrplan den Namen “Barmen (Mittel-)” lesen, dann einige Jahre später (1.5.1897) muss man sich ortsbezogen mit “Barmen-Heubruch” anfreunden. Nach neuer Stadtgründung spricht man ab dem 1.8.1930 einfach nur von “Heubruch”. Den offiziellen Wuppertal-Zusatz gibt es erst in der Bundesbahnzeit (1952/53).

4. Stellwerke:  Im Bahnhof Heubruch gab es früher zwei Stellwerke. An der Westausfahrt war das Haus Mi (Mittel-Barmen) angesiedelt, während korrespondierend an der Ausfahrt Richtung Wichlinghausen Mo (Mittel-Barmen Ost) erstellt wurde. Mi wurde mit dem Bahnhofsgebäude im Krieg schwer getroffen. Die oberere Etage baute man dann mit Flachdach neu auf. Anfang der 1970er Jahre wurde Mi in Hf (Heubruch Fahrdienstleiter) und Mo in Ho (Heubruch Ost) umbenannt. Beide Bauwerke sind noch vorhanden und werden privat genutzt.
-  Die alte Bahnhofsbezeichnung Mittel-Barmen für Heubruch wurde amtlich früher auch in einem Wort geschrieben. Um Verwechslungen mit dem
   heutigen Bahnhof Barmen zu vermeiden (früher inoffiziell auch als Mittelbarmen bezeichnet), verwenden wir die Form mit Bindestrich
-  Die Angaben und Daten stammen aus verschiedenen Veröffentlichungen

Bf. Wt-Heubruch als Teil der Rheinischen Strecke

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Bf. Wichlinghsn. Bf. Heubruch Bf. Rott Bf. Loh Bf. Ostersbaum Bf. Mirke
Bf. Ottenbruch Bf. Dorp Bf. Varresbeck Bf. Lüntenbeck Bf. Dornap-Hahn

Fahrtrichtung von Ost nach West. Die neuen DB-Haltepunkte nach dem Krieg (Rott, Ostersbaum, Dorp und Lüntenbeck) sind zusammen auf einer Seite.

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