Bahnen- Wuppertal.de Obus    (Trolleybus)

Das Obusnetz in Wuppertal: eine Episode im Nahverkehr

Die ersten Linien: Der englische Name “Trolleybus” (trolley = Kontaktrolle) ist in Deutschland wenig gebräuchlich, in der Schweiz aber bspw. schon. In unseren Landen  setzte sich bei den Gesellschaften und in der Bevölkerung die Bezeichnung Obus = Oberleitungsomnibus fast ausnahmslos durch. Seine Blütezeit in Deutschland war in den 1930er - 1950er Jahren. Im Bergischen Land hatte die von RWE und AEG eingerichtete Verbindung zwischen Mettmann und Gruiten der Rheinischen Bahngesellschaft Modellcharakter (1930 bis 1952). In Wuppertal ging die erste Obuslinie am 1. Oktober 1949 auf der Verbindung Bf. Oberbarmen  - Beyenburg mit der WSW-Linie 16 in Betrieb. Es folgte 1950 die Strecke  von Oberbarmen nordwärts in die Schellenbeck (Linie 24), die 1952 mit dem östlichen Langerfelder Abschnitt nach Jesinghausen erweitert wurde. Als erste Fahrzeuggeneration standen im Tal neun Wagen des Typs Henschel II-6500 mit verschiedenen Aufbauten zur Verfügung. Das charakteristische Merkmal dieser Busse (Nr. 301 - 309) war die zwillingsbereifte Vorderachse.       
 

(c) Slg. Bernhard Terjung   www.bahnen-wuppertal.de

Schattenspiel im Osten: Auf der neu erbauten Rauentaler Bergstraße kurz vor dem Abzweig nach Langerfeld kommt
uns auf der Linie 16 der Obus 304 II (mit neuem Aufbau) entgegen. Von Beyenburg hat er schon einige Kilometer auf
 dem Buckel. Auf dem Zielanzeiger steht: Wichlinghauser Markt, darunter Oberbarmen - Beyenburg. Nach wenigen
 Metern wird der Bus auf der Rauentaler Brücke die Einfahrgleise vom DB-Bahnhof Oberbarmen überqueren. Offenbar
ist der Bürgersteig noch nicht fertig, so dass die Passanten besondere Obacht geben müssen (Aufnahme um 1960).
Foto WSW  Sammlung Terjung

(c) Slg. Bernhard Terjung   www.bahnen-wuppertal.de

Die Haltestelle an der Parkstraße in Ronsdorf ist eine sehr wichtige Umsteigestation. Der Obus-Halt im Bild dient den
 Bussen der Linie 10B auf der Relation Ronsdorf - Alter Markt. Uns begegnet Bus Nr. 317. Das Wartehäuschen und die
 Gegend machen am Lichtscheider Kreuz im Jahre 1962 einen noch recht “frischen”  Eindruck. Die Straße von Licht-
scheid ostwärts mit den Abzweigungen und Kreuzungen sowie der gewaltigen Blombachtalbrücke wurde bis 1960 als
 Zubringer zur dann fertigen Autobahn A 1 (Remscheid - Kamen) großzügig ausgebaut resp. vollkommen neu trassiert.
Foto WSW  Sammlung Terjung

Ein weiterer Netzausbau: In der Folgezeit wurden Busse mit Krupp-Fahrgestellen und Ludewig-Aufbauten beschafft. Nach dem 12 Meter langen Solowagen Nr. 310 vom Jahre 1953 gingen 1957 die mächtigen Anderthalbdecker 311 und 312 in Betrieb (im Oktober 1964 kam der 309 durch Umbau auf altem Fahrgestell dazu). Diese Busse fassten immerhin 150 Personen, waren hingegen mit 12 Meter Länge und 3,65 Meter Gesamthöhe recht kompakt und konnten die meisten vorhandenen Unterführungen noch passieren. Freizügig eingesetzt auf später allen Linien wurden sie aber nicht. Charakteristisch war die abgesenkte Einstiegsplattform im Heck unter dem Oberdeck. Als Dieselfahrzeug wurde dieser Bustyp in vielen Hunderten Exemplaren an verschiedene Verkehrsbetriebe verkauft - inklusive an die Stadtwerke Wuppertal. Als Obus wurden allerdings nur bescheidene 22 Exemplare gebaut. Neben den Wuppertalern gab es einen für die Fahrgäste in Aachen und der Rest kam nach Niedersachsen zu den Stadtbetrieben in Hildesheim und Osnabrück.
 

(c) Slg. Roland Hermes   www.bahnen-wuppertal.de

Wer hat Bahnen und Busse schon einmal von innen fotografiert? Wohl die wenigsten der Fotofans, so dass wir uns
 umso mehr über dieses alte Bild freuen. Es ist nicht irgendein Bus, sondern ein Obus, der bekanntlich zwischen 1949
 und 1972 auf einigen Linien im Osten Wuppertals auf Tour war. Hier sind wir Ende der 1950er Jahre auf der Linie 16
 unterwegs, damals zwischen Oberbarmen und Beyenburg. Links im Hintergrund hat der Schaffner sein Plätzchen!
Foto Sammlung Roland Hermes

(c) Slg. Bernhard Terjung   www.bahnen-wuppertal.de

Eigentlich zwei historische Nahverkehrsepochen in der Freiligrathstraße. Der Obus Nr. 317 auf der Linie 10B vom Zen-
trum Barmen biegt gerade von der Unteren Lichtenplatzer Straße ab und wird weiter Richtung Ronsdorf fahren, und
das seit 1959. Im Areal des Weges liegt zwischen den klassischen Pflastersteinen aber noch das alte Straßenbahn-
gleis der sog. Forsthausbahn (Wichlinghausen/Wupperfeld - Toelleturm) als Vorgängerin des Obus-Betriebes. Für den
 Busverkehr hätte man sicherlich besser direkt die Straße ausgebaut. Rechter Hand liegt der alte evangelische Fried-
hof - angelegt ab 1842 -, der offiziell an der Heckinghauser Straße angesiedelt ist. Das Foto entstand um 1961.
 
Foto WSW  Sammlung Terjung

Bis zur größten Netzlänge: In den Jahren 1959 und 1960 konnte in Wuppertal eine bedeutende Netzerweiterung gefeiert werden. Hier wurde als Ersatzverbindung der Bergbahn vom Tal hinauf und der vom Toelleturm weiterführenden Straßenbahn eine neue Strecke nach Ronsdorf eröffnet. Zwei Linien gab es: vom Wichlinghauser Markt bis - planmäßig - Toelleturm (10W) und vom Bahnhof Barmen bis weiter zum Lichtscheid und dann nach Ronsdorf-City (10B). Wegen der engen Straßen musste hier wieder auf die normalen Fahrzeuge zurückgegriffen werden, wofür neue Solowagen beschafft wurden (1959/1960 die Nr. 313 bis 324). Mit der beidseitigen Verlängerung der Linie 24 zum Dellbusch in Wichlinghausen und östlich zur Dieselstraße in Langerfeld im Jahre 1963 wurde der Netzausbau abgeschlossen. Dazu beschaffte man zwei neue Busse, die  Nummern 325 und 326 im Jahre 1962. Kleinere Veränderungen gab es dann noch vor allem im Bereich Barmer Bahnhof/Alter Markt, die mit dem Umbau der großen Kreuzung am Alten Markt zusammenhingen. Im Einsatz waren zu diesem Zeitpunkt 26 Busse (Nr. 301 -326), die ältesten Wagen bereits mit moderneren Zweitaufbauten.        
 

Wuppertaler Obus-Netz: Gesamtausdehnung mit größter Trassenlänge im Jahre 1968
Vorlage aus dem Buch: Bernhard Terjung, Straßenbahnen in Wuppertal, Verlag Kenning, Nordhorn 1997, S. 275

(c) Slg. Bernhard Terjung   www.bahnen-wuppertal.de

Anno 1950 ist unser Meisterfotograf auf der Öhder Straße unterwegs, hier an der Haltestelle bei der Kunstseidenfirma Bemberg. Die als erste im wuppertaler Osten betriebene Obuslinie 16 nach Beyenburg ist noch nicht lange in Betrieb
und scheint auch für den Eisenbahnliebhaber ein interessantes Motiv zu sein. Im Bild die beiden Busse 303 und 302.
Foto Carl Bellingroth   Sammlung Terjung

Die Fahrzeug- und Streckendaten wurden dem Buch “Der Obus in Wuppertal” von Bernhard Terjung
entnommen (Verlag Monika Reimann, Wuppertal 1986). Wir danken unserem Obus-Experten für viele
weitere Detailangaben. In absehbarer Zeit erscheint eine großzügig überarbeitete Fassung mit vielen
neuen Bildern und Infos. Wir werden über den Erscheinungstermin natürlich dann aktuell berichten.

Bis zum bitteren Ende: Nur sechs Jahre lang befand sich das Netz auf dem Höchststand von fast 26 Kilometern Streckenlänge (Obus-Trassen). Die Linienlänge war hingegen etwas größer, weil einige Abschnitte von mehreren Linien befuhren wurden. Am 4. Mai 1969 begann der Rückbau des Netzes, der sich in mehreren Schritten bis zum Fahrplanwechsel am 27. Mai 1972 mit Einstellung der Linie 24 zwischen Schellenbeck und Bf. Oberbarmen hinzog. Die beiden Anderhalbdecker aus dem Jahre 1957 hatten 1967 übrigens noch neue Zweitaufbauten bekommen und blieben damit noch bis 1971 im Dienst. Der Wagen 311 war dabei zugleich der erste und letzte aller Obus-Anderthalbdecker. Damit war das Kapitel Obus in den östlichen Stadtteilen beendet. Nicht so im Westen, denn dort fahren auch heute noch moderne Busse der Solinger Stadtwerke, also von jenem Betrieb, der voll auf dieses ökologisch sinnvolle Verkehrsmittel gesetzt hat und mehrere Strecken betreibt. Busse der uns betreffenden Linie kommen aus Burg durch die Innenstadt gefahren, wodurch man auf dem heimischen Gebiet von Vohwinkel auf ein paar Kilometern zumindest etwas Obus-Luft schnuppern kann.
  

(c) Jan Niko Kirschbaum   
www.bahnen-wuppertal.de

Eng geht es zu, wenn die Obusse der Solinger Stadtwerke am Kaiserplatz in Vohwinkel gen Heimatort um die Ecke
 kurven. Die Stadt Solingen hat schon seit Jahrzehnten die Vorteile dieses Traktionsmittels erkannt und betreibt in der
 Region einige Durchmesserlinien. Auf den teilweise steigungsreichen Straßenabschnitten kann der Obus seine Vorteile
 gut unter Beweis stellen. Bis zum 28.9.1958 gab es zwischen Vohwinkel und Burg eine Straßenbahnlinie, welche eine
 der letzten Tramstrecken im solinger Netz war. Wenige Tage später wurde dann zwischen der Schwebebahn- und der
 Klingenstadt eine neue Obuslinie eingerichtet. Für etwa ein Jahr gab es zunächst die südliche Endstelle in Widdert,
ab dem 1.12.1959 wurde aber die alte Relation Vohwinkel - Solingen - Burg wieder aufgenommen (Foto 25.11.2009).
Foto Jan Niko Kirschbaum

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