Bahnen- Wuppertal.de Obus    (Trolleybus)


Der Obus in Wuppertal
Eine Episode im Wuppertaler Nahverkehr
 

Die Wuppertaler Obus-Zeit
Eine tolle Betriebsszene am Bahnhof Oberbarmen, bald schon ein halbes Jahrhundert alt!
 Der Anderhalbdecker ist der nagelneue Wagen Nr. 311, erbaut von Krupp und Ludewig.
Er kommt gerade über die Rittershauser Brücke und fährt auf der Linie 16 nun weiter
über die alte Werlebrücke, durch das Rauental und weiter nach Beyenburg. Der
 Schwebebahnzug 6+20 errreicht gerade den Wendebahnhof. Wir sind im Juni 1957.
Werkfoto Siemens    Sammlung Berhanrd Terjung

1.   Die ersten Linien
Der englische Name “Trolleybus” ist in Deutschland wenig gebräuchlich. Hier setzte sich bei den Gesellschaften und in der Bevölkerung die Bezeichnung OBus = Oberleitungsomnibus durch. Seine Blütezeit in unserem Land war in den 30er und 40er Jahren. Im Bergischen hatte die von RWE und AEG eingerichtete Verbindung Mettmann - Gruiten Modellcharakter. In Wuppertal ging die erste Obuslinie am 1. Oktober 1949 auf der Verbindung Oberbarmen - Beyenburg (Linie 16) in Betrieb. Es folgte 1950 die Strecke  von Oberbarmen nach Schellenbeck (Linie 24), die 1952 mit dem östlichen Langerfelder Abschnitt nach Jesinghausen erweitert wurde. Als erste Fahrzeuggeneration standen neun Wagen des Typs Henschel II-6500 mit verschiedenen Aufbauten zur Verfügung. Das charakteristische Merkmal dieser Busse (Nr. 301 - 309) war die zwillingsbereifte Vorderachse.       
 

1950 iauf der Öhder Strasse an der Haltestelle bei Bemberg. Die Linie 16 nach Beyen-
burg ist noch nicht lange in Betrieb. Im Bild die beiden Busse Nr. 303 und 302.
Foto Carl Bellingroth   Sammlung Terjung

2.   Der Netzausbau
In der Folgezeit wurden Busse mit Krupp-Fahrgestellen und Ludewig-Aufbauten beschafft. Nach dem 12 Meter langen Solowagen Nr. 310 vom Jahre 1953 gingen 1957 die Anderthalbdecker 311 und 312 in Betrieb (im Oktober 1964 kam der 309 durch Umbau auf altem Fahrgestell dazu). Diese Busse fassten immerhin 150 Personen, waren hingegen mit 12 Meter Löänge und 3,65 Meter Gesamthöhe recht kompakt und konnten die meisten vorhandenen Unterführungen noch passieren. Charakteristisch war die abgesenkte Einstiegsplattform im Heck unter dem Oberdeck. Als Dieselfahrzeug wurde dieser Bustyp in vielen Hunderten Exemplaren an verschiedene Verkehrsbetriebe verkauft (inklusive an die WSW), als Obus wurden allerdings nur bescheidene 22 Exemplare gebaut (neben den Wuppertalern einer für Aachen und der Rest für Hildesheim und Osnabrück).
 

Das ist der Obus Nr. 301 II (mit
neuem Aufbau), der sich auf dem
Weg von der Schellenbeck zur
 Clausewitzstrasse in  Langerfeld
 befindet. Wir sind an der Ecke
 Hermannstrasse/Tütersburg in der
 Nähe vom Wichlinghauser Markt.
Der Ausbau von Strasse und den
Häusern steht noch bevor. Über
dem Bus die Schule in der Kreuz-
strasse, durch die der Bus kurze
 Zeit zuvor ein Stück gefahren ist
(Foto um 1960).
Foto WSW  Sammlung Terjung

Auf der neu erbauten Rauentaler
 Bergstarsse am Abzweig nach
 Langerfeld kommt uns auf der
Linie 16 der Obus Nr. 304 II (mit
neuem Aufbau) entgegen. Von
 Beyenburg hat er schon einige
 Kilometer auf dem Buckel. Auf dem
 Zielanzeiger steht: Wichlinghauser
 Markt, darunter Oberbarmen -
 Beyenburg. Nach wenigen Metern
wird der Bus auf der Rauentaler
Brücke die Einfahrgleise vom DB-
Bahnhof Oberbarmen überqueren
(Aufnahme um 1960).
Foto WSW  Sammlung Terjung

In den Jahren 1959 und 1960 konnte in Wuppertal eine bedeutende Netzerweiterung gefeiert werden. Hier wurde als Ersatzverbindung der Bergbahn und der Strassenbahn eine neue Strecke nach Ronsdorf eröffnet, auf der zwei Linien vom Barmer Bahnhof (10B) und vom Wichlinghauser Markt (10W) bis nach Lichtscheid und weiter nach Ronsdorf verkehrten. Wegen der engen Strassen musste hier wieder auf die normalen Fahrzeuge zurückgegriffen werden, wofür neue Solowagen beschafft wurden (1959/1960 die Nr. 313 bis 324). Mit der beidseitigen Verlängerung der Linie 24 zum Dellbusch und zur Dieselstrasse im Jahre 1963 wurde der Netzausbau abgeschlossen (dazu gab es zwei neue Busse Nr. 325 und 326 im Jahre 1962). Kleinere Veränderungen gab es dann noch vor allem im Bereich Barmer Bahnhof/Alter Markt, die mit dem Umbau der grossen Kreuzung am Alten Markt zusammenhingen. Im Einsatz waren zu diesem Zeitpunkt 26 Busse (Nr. 301 -326), die ältesten Wagen bereits mit moderneren Zweitaufbauten.         
 

Eigentlich zwei historische Epochen an der Freiligrathstrasse, gegenüber dem
 evangelischen Friedhof Brändströmstrasse. Der Obus Nr. 317 auf der Linie 10B biegt
 gerade von der Unteren Lichtenplatzer Strasse ab und wird weiter Richtung Rons-
dorf fahren. Im Strassenfeld liegt noch das alte Strassenbahngleis (1961)!
 
Foto WSW  Sammlung Terjung

3.   Bis zum bitteren Ende
Nur sechs Jahre lang befand sich das Netz auf dem Höchststand von fast 26 Kilometern Streckenlänge (die Linienlänge war etwas grösser, weil einige Abschnitte von mehreren Linien befuhren wurden). Am 4. Mai 1969 begann der Rückbau des Netzes, der sich bis zum Fahrplanwechsel am 27. Mai 1972 mit Einstellung der Linie 24 zwischen Schellenbeck und Bf. Oberbarmen hinzog. Die beiden Anderhalbdecker aus dem Jahre 1957 hatten 1967 übrigens noch neue Zweitaufbauten bekommen und blieben damit noch bis 1971 im Dienst. Der im Grossfoto abgebildete Wagen 311 war dabei der zugleich der erste und letzte aller Obus-Anderthalbdecker.

Herzlichen Dank an den Obus-Experten Bernhard Terjung, der die Textvorlagen lieferte.
 

Die Haltestelle an der Parkstrasse
in Ronsdorf ist eine sehr wichtige
 Umsteigestation. Der Obus-Halt
im Bild dient den Bussen der Linie
10B auf der Relation Ronsdorf -
Alter Markt. Uns begegnet Bus
Nr. 317. Das Wartehäuschen und
die Gegend machen am Lichtschei-
der Kreuz im Jahre 1962 einen
noch recht “frischen”  Eindruck.
Foto WSW  Sammlung Terjung

Eine ungewöhnliche Perspektive aus der Luft. Im Vordergrund sehen wir die Dächer
der Wagenhalle an der Walterstrasse in Heckinghausen. Davor Richtung Zufahrt
einige Dieselwagen und zwei Obusse. Der rechte Bus könnte mit dem Lkw dorthin
geschleppt worden sein. Die Oberleitung führt um den Hallenkomplex herum. Am
oberen Bildrand sehen wir einige Gebäude der Firma Zinco an der Bockmühle.
 
Foto Sammlung VOBA

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