Bahnen- Wuppertal.de Eisenbahn-Geschichte

1.   Die Keimzellen des Streckennetzes im Wuppertal
1.1  Düsseldorf-Elberfelder-Eisenbahngesellschaft  (DEE)
Das neue Zeitalter im Raum Wuppertal begann sehr früh, denn bereits am 1.9.1841 wurde mit der Inbetriebnahme der gesamten Strecke der Düsseldorf-Elberfelder Bahn das heutige Stadtgebiet erreicht. Als Endbahnhof fungierte die Station Steinbeck. Die auch heute noch in den Grundzügen vorhandene Strecke hatte mit dem Bau der Steilrampe zwischen Erkrath und Hochdahl (1:3O = 33,3 Promille) einen ersten eisenbahntechnischen Höhepunkt zu verzeichnen. Im Bahnhof Hochdahl wurde dazu eine Dampfmaschinenanlage installiert, mit der die bergwärts fahrenden Züge per Seil mitgezogen wurden. Diese Sache wurde aber schnell durch eine andere Übertragung ersetzt, indem eine talwärts fahrende Lokomotive das Seil entsprechend über eine Umlenkrolle zog. Erst 1926 wurde dieser kuriose Betrieb durch Schubloks ersetzt.                     

1.2  Bergisch-Märkische-Eisenbahngesellschaft  (BME)
Ursprungsidee ist hier eine Fernlinie, die sog. Rhein-Weser-Bahn von Köln nach Minden, deren Trasse aber durchs Ruhrgebiet gebaut wurde. Mit der BME sollte dann ein Anschluss der Wuppertaler Gegend an diese Linie im östlichen Ruhrgebiet gefunden werden. Der erste Streckenteil wurde am 9.10.1847 zwischen Elberfeld (Döppersberg) und Schwelm eröffnet, deren weitere Linie über Hagen und Witten nach Dortmund Ende 1848/Anfang 1849 eröffnet wurde. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde eine Verknüpfung zwischen dem Steinbecker und dem Döppersberger Bahnhof erstellt (die Düsseldorf-Elberfelder Bahn wurde 1857 dann von der BME übernommen). Kapitalprobleme zwangen dazu, die Verwaltung der BME im Oktober 1850 auf den preußischen Staat zu übertragen, womit gleichzeitig die erste Direktion im Tal der Wupper errichtet wurde (ab 1854 “Königliche Eisenbahndirection zu Elberfeld”).                     

1.3  Prinz-Wilhelm-Eisenbahngesellschaft   (PWE)
Die Keimzelle einer Verbindung zwischen Wuppertal und Essen ist eine schmalspurige Pferdeeisenbahn zwischen Kupferdreh und Essen im Jahre 1831 errichtet. Eine normalspurige Bahn wurde dann bis zum 1. Dezember 1847 erbaut, die, von Steele kommend, im Bahnhof Vohwinkel Anschluss an die Düsseldorf-Elberfelder Bahn bot. Zunächst gab es dabei im Siebeneicker Tal südlich von Neviges eine Spitzkehre zur Überwindung der Wasserscheide. Im Jahre 1854 wurde die Prinz-Wilhelm-Bahn unter staatliche Regie gestellt und 1863 in die BME eingegliedert.                 
 

Bahn-Vorzeiten im Wuppertal:
Woher die alte Fahrkarte stammt,
war nicht genau zu erforschen. Auf
jeden Fall muss sie mal ein Familien-
mitglied in früheren Bahnzeiten benutzt
 haben. Was mit dem “II” in Düsseldorf
 ausgedrückt wird, ist uns nicht ganz
 klar. Vielleicht hat ein Bahnfan hierzu
 genauere Informationen. Links einge-
stanzt ist “16.9.83.N3”, offenbar der
 Termin der Fahrt.  Welche Lok wird
wohl der Zug damals gehabt haben?
Vorlage  Sammlung VOBA

2.   Die Weiterentwicklung des Streckennetzes
2.1  Ausbau der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn
Die BME entwickelte sich zu einer großen Bahngesellschaft in Preußen und konnte sowohl auf der linken Rheinseite als auch im südlichen Ruhrgebiet (mit der heute wichtigsten Transversale zwischen Duisburg und Dortmund) bis an die Sieg und später mit der Ruhrtalbahn bis über Kassel hinaus ein grösseres Streckennetz aufbauen. Für das Tal der Wupper wurde mit der Eröffnung der Strecke nach Köln 1867/72 eine bis heute wichtige Trasse erstellt. Im Keilbahnhof Gruiten (hieß damals noch “Haan”, der heutige Bahnhof in der Stadt “Haan-Ort”) trifft dieses Linie auf die alte Düsseldorf-Elberfelder-Bahn.   

2.2  Rheinische Eisenbahngesellschaft  (REG)
Die Rheinische Eisenbahngesellschaft war eine ernste Konkurrentin der BME, die zunächst eher auf linksrheinischem Gebiet operierte. Im Jahre 1874 konnte sie dann die wichtige Linie (Mülheim-)Speldorf - Köln-Kalk - Troisdorf eröffnen, die auch heute noch mit der rechten Rheinstrecke zusammen eine zentrale Güterabfuhrlinie darstellt. Bald kamen Planungen einer Konkurrenzlinie zur BME durch das Wuppertal auf, deren Fertigstellung zum 15.9.1879 erfolgte. Sie begann in Düsseldorf, führte über Gerresheim, Mettmann, Mirke und Barmen-Loh nach Wichlinghausen und weiter über Gevelsberg nach Hagen-Eckesey und noch weiter bis nach Dortmund. Im Gebiet von Elberfeld und Barmen mussten viele Kunstbauten in Form von Viadukten und Tunnel errichtet werden. Mit einer Steigung von nur 1:80 (12,5, Promille) war die Linie aber von der Neigung her wesentlich günstiger trassiert als die BME-Linie (die besonders mit der steilen Rampe bei Erkrath).            

2.3  Länderbahnzeit
Alle Bahnlinien in unserer Region sind auch als Privatunternehmen immer in Abstimmung mit dem Staat, damals Preußen, errichtet und konzessioniert worden. Oft gab es dabei Probleme der Kapitalaufbringung, so dass der Staat in unterschiedlicher Form (Anteile, Bürgschaft, Verwaltung, Betriebsführung o.ä.) in das Bahnwesen eingebunden war. Mit der Gesamtverstaatlichung vieler Linien ab 1880 sollte dann eine wesentich bessere Funktionalität der oft konkurrierenden Gesellschaften erreicht werden und insbesondere die Verkehrsinfrastruktur im Bahnwesen koordiniert und vervollständigt werden. Die Verstaatlichung zur “Königlich Preussischen Eisenbahn-Verwaltung” (KPEV) betraf natürlich besonders die drei großen Gesellschaften der Cöln-Mindener-Bahn (Ende 1879), der Rheinischen Bahngesellschaft (Februar 1880) und der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn (Frühjahr 1882). In der Folge wurde das Streckennetz vervollständigt, in unserer Region speziell durch Strecken im Nieder- und Oberbergischen Raum, neue Bahnhöfe angelegt und Ursprungsgleisanlagen teilweise vollkommen verändert. Für uns wichtig ist bspw. der Umbau des Bahnhofs Vohwinkel mit seinem neuen Rangierbahnhof an der Gruitener Strasse. Ebenso wurden auf der Talbahn zwei sog. Ortsgleise parallel zu den vorhandenen Gleisen verlegt, was zudem den Neubau der Sonnborner Brücke über die Wupper auf jetzt vier Gleise bedeutete (fertig bis 1914).                 

Preußens Gloria im Bahnbetrieb
In der Zeit der Länderbahnen und auch
 noch bei der Reichsbahn gab es neben
 den Schnellzügen auch längere Durch-
läufe von Eilzügen oder sogar Perso-
nenzügen. Hiemit wurde dem weniger
 betuchten Publikum auch eine Reise-
möglichkeit geboten, wenn auch meist
eine sehr langsame. Interessant ist
das Zuglaufschild, das sich an einem
 zweiachsigen Ci-Personenwagen be-
fand. Wir sind allerdings nicht in der
 Vergangenheit fündig geworden, son-
dern das Schild hing an einem Wagen
vom Museumszug Bochum-Dahlhausen.
Die Aufnahme wurde im September
1992 im tollen Museum gemacht.
Foto Wolfgang Scheufele   Sammlung VOBA

(c) Sammlung VOBA   www.bahnen-wuppertal.de
(c)  Sammlung VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Aufbruchstimmung mit der Bundesbahn Wahrscheinlich ist es kein Wuppertaler
 Bahnhof, aber unzweifelhaft sind Wup-
pertaler Bürger mit der Bahn unterwegs.
 Es ist der 20. Juni 1953 und vielleicht
 geht die Tour zum Rhein. In den 1950er
 und 1960er Jahren wurden viele Firmen-
ausflüge - soweit mit der Bahn - zum
 Rhein oder zur Mosel gemacht. Die un-
bekannte P8 hat noch den alten Reichs-
bahn-Look, ist also ohne Windleitbleche
und mit altem Kastentender ausgestat-
tet. Sie stammt vermutlich vom Bahn-
betriebswerk Wuppertal-Vohwinkel oder
 Wt-Langerfeld. Loks der Baureihe 38.10
(P 8) fuhren von Wuppertaler Betriebs-
werken aus noch bis zur Elektrifizierung
 der Talstrecke anno 1964. Sie liefen im
 Schwarzwald bis in die 1970er Jahre.
Foto Sammlung VOBA

3.   Reichsbahn- und Bundesbahnzeit
In dieser recht langen Zeit hat sich, wie in den meisten Regionen, bei den Bahnanlagen - was den Neubau oder Umbau betrift - eigentlich relativ wenig verändert, sieht man einmal von Zerstörungen des letzten Krieges und den fehldeneden Wiederaufbauten und natürlich von den seit Jahren eklatanten Rückbauaktionen der letzten Jahre ab. Es wurden weitgehend die vorhandenen Trassen mit allen ihren Unzulänglichkeiten genutzt, nach dem Krieg wurde die Infrastruktur zugunsten des Straßenverkehrs eminent ausgebaut. Natürlich ist die Entwicklung im Eisenbahnwesen nicht stehen geblieben und so zeigen sich Veränderungen auch in unserer Region mehr bei den Fahrzeugen, im betrieblichen Bereich und in der Sicherheitstechnik. Einige Zeit vor Kriegsausbruch wurde Wuppertal mit dem “Fliegenden Kölner” an das Schnellfahrnetz der Reichsbahn angebunden (schnellste Verbindung von Köln nach Berlin), dem nach dem Krieg etliche Varianten mit F-Zügen und ab 1971 der vertaktete IC-Verkehr folgten. Ein TEE alter Prägung fuhr hier allerdings planmässig nicht (allerdings die formschönen TEE-Triebwagen VT 11.5 im IC-Verkehr). Nachdem das Bw Wt-Vohwinkel mit seinen Dampfrössern Mitte der 70er Jahre endgültig geschlossen war, begann die große Zeit der Stillegungen und Rückbauten. Bis auf die Verbindungen nach Essen und nach Remscheid sind alle Nebenlinien im Tal selbst und in der nahen Region aufgelassen. Viele Trassen sind abgebaut und finden anderweitige Verwendung. Organisatorisch gibt es seit Ende 1974 die Bundesbahndirektion Wuppertal nicht mehr, die Strecken wurden auf die restlichen Direktionen, vornehmlich auf die BD Köln und BD Essen, aufgeteilt. Die elektrische Traktion im Tal gibt es seit Mai 1964.                    

Dampfzeit in Wuppertal
Die preußische Baureihe T 18 war im
 Wuppertal über viele Jahrzehnte ein ge-
wohntes Bild. Nach dem Krieg wurden
 damit etliche Wendezüge zwischen Wt-
Vohwinkel und Schwelm resp. Gevels-
berg Nord gefahren. Ebenso waren es
 typische Zugmaschinen im Nahverkehr
 zwischen Essen und Remscheid. Dazu
gab es auch Leistungen auf der Rhei-
nischen Strecke, nach Hattingen und
 Richtung Beyenburg. Die letzte Lok der
 Baureihe beim Bw Vohwinkel war die 78
 159 (Regeleinsatz bis Ende Mai 1967),
die wir hier mit einem Personenzug bei
der Einfahrt in den Bf. Wt-Wichling-
hausen sehen. Hinter der Lok steht seit
 Ende der 1970er Jahre das Schulzentrum
 Ost (Aufnahme stammt vom April 1967).
Foto Helmut Dahlhaus

(c) Helmut Dahlhaus   www.bahnen-wuppertal.de

4.   Deutsche Bahn AG und Zukünftiges
Die Zusammenlegung von DB und DDR-Reichsbahn nach kurzer Übergangsphase endete 1994 mit der Gründung der Deutschen Bahn AG (DB AG). In organisatorischer Hinsicht wird Wuppertal jetzt ferngelenkt von Köln aus. Auch bei den Bahnhöfen gibt es wenig Positives zu berichten, die so mehr als Provinzstationen dahin siechen. Im betrieblichen Bereich kann sich die Talbahn aber weiter als wichtige Fernlinie behaupten. Im Jahre 1998 gab es die ersten ICE-Verbindungen nach Berlin, seit 2003 ist man auch über die neue Rennstrecke durch den Westerwald um eine Stunde schneller im südlichen Deutschland. Das neueste Projekt war die Eröffnung der S-Bahnlinie S 9 von Wuppertal Hbf. über Essen nach Bottrop/Haltern im Dezember 2003. Manche Projekte in der Region liegen in der Schublade. Wahrscheinlich und sinnvoll ist der Bau einer Verbindungskurve von der ehemaligen Rheinischen Strecke auf die Essener Linie, so dass die Regio-Züge aus Mettmann weiter bis Vohhwinkel fahren könnten. Auch eine Elektrifizierung der Remscheider Strecke erscheint möglich. Eine private Initiative bemüht sich um eine Reaktivierung der Beyenburger Strecke bis zur Wupper-Talsperre, auf der ein Museumsbetrieb aufgezogen werden soll. Inwieweit die Rheinische Strecke mit ihren vielen Viaduktuen und Tunnel irgendwie jemals wieder befahren wird, rückt in immer weitere Ferne. Derzeit plant man dort einen Radwanderweg. 
                                              

(c) VOBA   www.bahnen-wuppertal.de

Aktuelle Bahn in Wuppertal
 Die Ellok-Baureihe 101 ist mittlerweile
die gängige Maschine für lokbespannte
 IC-Züge. Etliche der Fernzüge werden
als sog. Wendezüge geführt. Zuweilen
 gibt es auch an beiden Enden eine Lok!
 Hier sehen wir die 101 052-9 als “Schie-
ber” im Bf. Wuppertal-Steinbeck. Bald
 erreicht die Einheit den Hbf.. Im Hinter-
grund ist ein eingerüsteter Turm der
Stadthalle zu erkennen. Nach dem Bau
der S-Bahnlinie Hagen - Mönchenglad-
bach durchs Tal mit Eröffnung im Mai
1988 hat der Bahnhof Steinbeck nun-
mehr seinen Fernbahnsteig und ein
fünftes Bahnsteiggleis verloren.
 (Aufnahme vom September 2003).
Foto VOBA

5.   Fernverkehr und Zugläufe
Die BME-Strecke durch das Tal ist immer ein wichtiger Bestandteil im Netz der deutschen Bahnen gewesen. Daher gab es schon seit den Frühzeiten der Eisenbahnen wichtige Fernzüge auf der Linie zu verzeichnen. In der Reichsbahn-Ära war das Wuppertal neben der besagten Verbindung des “Fliegenden Kölners” nach Berlin durch viele andere hochwertige Reisezüge an das Schienennetz angebunden. Eine sehr ausgeprägte Erscheinung war dabei neben den Berliner Zügen die Relation vom Köln-/Düsseldorfer-Raum nach Mitteldeutschland. Ebenso gab es viele Züge nach Süddeutschland, die allesamt immer wichtig für den Urlauberverkehr waren - denn Automobile hatten damals nur wenige Familien. Diese hohe Bedeutung der Urlauberzüge dauerte auch in den 1950er und 1960er Jahren bei der Bundesbahn weiter an, zunehmend ergänzt mit schnellen Fernzügen für die Geschäftsreisenden (wegen der Wagenfarbe das “blaue F-Zugnetz” genannt). Ab 1971 folgte die angesprochene Integration der Elberfelder Station ins IC-Netz, zunächst nur für die erste Klasse, ab 1979 dann mit zweiklassigen Zügen. Ein typisches Kennzeichen der Bundesbahnzeit war der rege Verkehr mit Kurswagenverbindungen, wovon auch die Reisenden aus dem Tal profitieren konnten. So gab es vor Jahrzehnten gegen 14.00 Uhr bspw. den “Baseler”, einen langen D-Zug, mit dem man direkt weiter bis an die Riviera nach Ventimiglia fahren konnte - ein Zug, der in vielen Fahrplanperioden nach Schulende im Oberbarmer Bahnhof oft sehnsüchtig beäugt wurde.      
                           

Zuggeschichte im Wuppertal
Der Prospekt “Ihr Zug-Begleiter”
 war früher eine informative Quelle
 für die Bahnfahrer mit Hinweisen
 und den besonders intensiv auf-
geführten Anschlusszügen. In der
 Regel kam jeden Monat eine neue
 Druckauflage heraus. Der D 504
war nicht nur im August 1966 ein
 beliebter Urlauberzug von Hagen
 (ab 7.33) nach München Hbf. (an
 16.48). Der schnelle F 13, die Aus-
gabe ist August 65, war hingegen
 ein Kurzstreckenzug mehr für Ge-
schäftsreisende von Köln Hbf. (ab
 19.42) nach Hannover (an 22.48).
 Mitte der 1960er Jahre konnte man
 noch mit den modernen Gebäuden
 vom Finanzamt und dem Kaufhof-
Parkhaus in Wt-Barmen werben!
Vorlage  Sammlung VOBA

Zuggeschichte im Wuppertal: Das ist ein Auszug vom Buchfahrplan für den F 13 “Dompfeil” aus dem Jahre 1962. Er betrifft den
 Abschnitt der BD Wuppertal zwischen den BD-Grenzen nördlich von Köln-Mülheim und bei Holzwickede. Als Zuglok ist natürlich die
V 200 angegeben. Bei einer Last von angegebenen 200 Tonnen besteht der Zug aus vier Wagen. Es ist zu sehen, dass es mit
den Geschwindigkeiten auf der BME-Strecke noch nicht weit her ist, denn nirgendwo darf mehr als 120 km/h gefahren werden.
Vorlage  Sammlung Bügel

(c) Sammlung Holger Schmidt   www.bahnen-wuppertal.de

Bahnpersonal im Wuppertal
Ein tolles Foto aus alten Zeiten. Übertitelt ist dies mit “Rotte Barmen”. Die Bekleidung und der Ausdruck der Mitarbei-
ter erinnern an preußische Tradition. Trotz Arbeitstracht ist der Status der Bahner nicht zu übersehen. Viele Details,
 nicht zuletzt die Kannen, geben Zeugnis von einer längst vergangenen Epoche. Keine Vergangenheit ist hingegen die
Trasse der Bergisch-Märkischen Linie, denn hier hat sich nicht viel verändert. Kenner der Szene werden den Standort
 unschwer ausmachen. Wir befinden uns so etwa in Höhe der alten Feuerwache in Barmen im Bezirk Heidt. Über die
Brücke führt die Albertstraße. Ganz im Hintergrund die Stützmauer mit den Arkaden an der Einfahrt zum Bahnhof Wt-
Oberbarmen (zum Zeitpunkt der Aufnahme hiess der Barmen-Rittershausen) gibt es auch heute noch. Der Prellbock
 befindet sich am Ausziehgleis vom damals intensiv genutzten Rangierbahnhof (heute Brachfläche mit Baumarkt).
Die Aufnahme muss nach der Jahrhundertwende entstanden sein, auf jeden Fall nach Ausbau der Trasse auf vier
 Gleise. Der sehr gute Zustand der Stützmauer könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Umbau noch nicht viele
Jahre zurückliegen kann (bis 1914). Vielleicht kann uns ein User nähere Hinweise zur zeitlichen Einordnung geben.
Vorlage  Sammlung Holger Schmidt

Bahn-Niedergang im Wuppertal
 Welch ein Kontrast zum obigen Bild der
 Baurotte. Während dort die Eisenbahn
 das Verkehrsgeschehen dominerte und
 die wichtige Zeit der Reichsbahn noch
 kommen sollte, gibt es Anfang 1991 wie-
der einen Trauerfall im Tal zu verzeich-
nen. Denn nach jahrelangem Abstieg
der Rheinischen Strecke mit zuletzt ei-
nem Alibi-Zugpaar ist die endgültige
 Einstellung der Linie besiegelt. Ob die
 Verkehrspolitik wirklich “unzeitgemäß”
war, da gehen die Meinungen ausein-
ander. Wirklich intensive Nutzung der
 Bahnlinie durch die Bevölkerung hat es
 nämlich nie so richtig gegeben. Auch
 einer lange geplanten Reaktivierung als
 Stadtbahn musste man mit gewisser
 Skepsis begegnen. Übrigens: Der Name
 “Nordbahn” ist ein Begriff jüngeren Da-
tums. Alten Bahnfreunden und der Be-
völkerung ist der Name an sich fremd.
PS: Trauerfall = schwarz-weiss Foto!
Foto Herbert Völling

(c) Herbert Völling   www.bahnen-wuppertal.de

Bahngeschichte Wuppertal im Zeitspiegel
Geschichte bedeutet ja nicht immer, dass Ereignisse wie geplant oder erhofft eingetreten sind, einen quasi linear-kausalen Zusammenhang haben, sondern sie wird ebenso dadurch geprägt, dass vieles auf Umwegen abläuft oder Entwicklungen ganz andere Richtungen genommen haben. So auch bei unserem Zeitspiegel zu Planungen der Cronenberger Linie und der Rheinischen Strecke. In der Ausgabe 1/1988 der renomierten Fachzeitschrift Eisenbahn-Magazin stand nämlich Untenstehendes zu lesen. Sehr schnell kam es dann doch anders, worüber die Bahnfans im Tal wohl noch lange nachsinnen werden. 

Chance für Nebenstrecken?
Der “Samba” (...) hat wieder eine Chance: Die Strecke soll nach Bekunden des NRW-Verkehrsministers Zöpel in den geplanten Staatsvertrag zwischen DB und dem Land Nordrhein-Westfalen einbezogen werden, mit dem ähnlich wie in Schleswig-Holstein ein Regionalverkehrsmodell eingerichtet werden soll. Hierfür ist auch die Beschaffung von Triebwagen der Reihe 628.2/982.2 geplant. 
Vorerst ist aber eine “kleine” Lösung im Gespräch. Seit September 1987 werden keine Schienenbusse mehr ausgemustert, sondern die noch vorhandenen Exemplare der Baureihe 798/998 sollen auf Einmannbetrieb umgerüstet werden. Ein Betriebsversuch auf dem “Samba” würde deutlicher als die bisherigen theoretischen Kostenrechnungen zeigen, ob der Einmannbetrieb (im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr eigentlich eine logische Lösung) gefährdete Nebenstrecken halten kann. Der Güterverkehr auf dem “Samba” (einmal werktäglich mit 212) wird am 30. Dezember 1987 eingestellt.   
Im Zusammenhang mit der Ost-West-S-Bahn, die im Mai 1988 eröffnet wird, erscheint weiterhin eine teilweise Wiederbelebung der “Rheinischen Strecke” (...) möglich: Die Wendezüge der Strecke 410 von Solingen-Ohlings über Remscheid-Lennep nach Wuppertal-Oberbarmen könnten anstatt des bisherigen Weges über die Hauptstrecke 400 nach Wuppertal-Vohwinkel mit zweimaligem Kofpmachen (in Oberbarmen und Wichlinghsn., Anmerk. der Red.) über Wuppertal-Wichlinghausen fahren. Der seit Juni 1987 gesperrte Viadukt zwischen Wichlinghausen und Wuppertal-Heubruch wird jedenfalls wieder mit einem Gleis ausgerüstet, und bei der Gelegenheit ist auch die gesamte Umstellung der KBS 401 auf eingleisigen Betrieb mit einer Ausweiche in Wuppertal-Mirke anvisiert (vM). 
 

(c) VOBA  www.bahnen-wuppertal.de

Bahnreisende im Wuppertal
 Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Bahnreisen die normale Fortbe-
wegungsart für den allergrößten Teil der Bevölkerung. Nur wenige
 Privatpersonen hatten damals ein Automobil, und die heute oft zu
 findenden mehrfachen Urlaubsreisen gab es seinerzeit überhaupt
 nicht. Wenn man schon eine Tour machen konnte, dann oft zu
 Verwandten und nicht selten in die nähere Umgebung. Und “näher”,
 das bedeutete für viele Wuppertaler einen Besuch im Oberbergi-
schen! Dort hatten ja etliche Familein aus dem Tal ihre Wurzeln
und man hatte dadurch in der Regel verschiedenartige Beziehun-
gen. Die Bahnverbindungen dorthin waren verhältnismäßig gut, zu-
mal es bis Dieringhausen oder Waldbröl einige durchgehende Züge
 gab. Man fuhr im letzten Fall dann sozusagen einmal “senkrecht”
 durch die Reichsbahndirektion Wuppertal hindurch. Lokomotivein-
sätze gab es meistens von Wuppertaler Bahnbetriebswerken aus,
 aber ebenso Bespannungen vom Bw Remscheid-Lennep oder Bw
 Dieringhausen. Zum Bild: Ende der 30er Jahre stehen wir auf dem
 Bahnhof in Wt-Oberbarmen und und verabschieden uns von der
 dreiköpfigen Rasselbande, die in den folgenden Wochen nun die
 Freuden auf dem Bauernhof bei Wiehl geniessen kann. Aber im Ab-
teil für “Raucher”, da handelt es sich wohl eher um ein Missver-
ständnis oder? Das Bild ist eines der berühmten Zufallsfotos aus
dem Familienalbum, wo zumindest ein wenig von der Eisenbahn zu
 sehen ist. Für Bahnhistoriker interessant sind die vielen Details bzw.
 Angaben, die Rückschlüsse zulassen. Natürlich fährt man “Dritter”,
 das war der Normalzustand für die überwiegende Zahl der Reisen-
den. Am Rahmen stehen die Revisionsdaten, die zumindest eine
 gewisse zeitliche Fixierung erlauben. Und der alte Ci-Waggon mit
 seinen plastischen Nietreihen, ein Augenschmaus für Kenner!
Foto VOBA

Bahngeschichte = Hobbygeschichte
Wenn man sich von Kindheit an oder zumindest länger-
fristig für die Eisenbahnen interessiert, ist die Bahnge-
schichte natürlich auch ein wichtiger Teil der eigenen
 Lebensgeschichte, also so eine Art Hobbygeschichte.
 Einige der Leute aus dem VOBA-Kreis gingen bereits in
 jugendlichen Jahren mit ihren vielen Aktivitäten an die
 Öffentlichkeit. Da wurden Bilder in Zeitschriften abge-
druckt oder Fotos per Kleinanzeige verkauft, man ar-
beitete in Vereinen mit und traf sich im Kreis bei Carl
 Bellingrodt oder war gar aktiv an Planung und Durch-
führung von Dampfloksonderfahrten beteiligt. Ein spe-
zielles Projekt war die Herausgabe eines “Dampflok-
kalenders”, was konkret für die Jahre 1969 und 1970
 gemacht wurde. An sich eine einfache Kalendervorlage,
 vorbereitet zum Einstecken von 13 Bildern. Und die aber
 hatten es in sich, denn es handelte sich dabei allesamt
 um Originalabzüge im Format 13 x 18 cm! Die wurden in
 der Dunkelkammer mit drei Leuten im Akkord angefertigt
 (einer belichtete, der andere bewachte das Entwickler-
bad und der dritte wuselte im Fixierbad). Unterlagen be-
legen, dass vom 1970-Kalender ca. 450 Exemplare ver-
kauft wurden (DM 9.80). Alles mal 13 - und man kann
 sich gut vorstellen,was das damals für wilde Aktionen in
der stickigen Luft der Dunkelkammer waren. In diesem
 Jahr gab es den Kalender übrigens in zweifacher Aus-
führung, zum einen mit normalem Alltagsdampf und zum
 anderen mit Bildern von den vielen Sonderfahrten. Ver-
kauft wurden die Exemplare über Kleinanzeigen, mit der
Hilfe eines Verlages, auf Sonderfahrten, über Aushänge
in Betriebswerken und vor Ort bei einem Buchhändler.
Die Tage sind zwar lange vorbei, aber es war eine tolle
 Zeit! Einen vollständigen Kalender gibt es leider nicht
 mehr, aber mehrere Einzelblätter haben sich - leicht
 angegilbt - bis in die aktuellen Zeiten gerettet (Foto
der 93 526 von Herbert Vaupel im Bw Hannover Hgbf.).
Vorlage  Sammlung VOBA

Von der Eisenbahn-Geschichte gibt es eine Zeittafel

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